Werkzeug zur Risikoklassifizierung
GwG-Risikoscoring für den Vertriebsprozess
Fünfzehn Merkmale aus fünf Dimensionen ergeben einen Klassenvorschlag — und mit ihm das Sorgfaltsniveau, den Freigabeweg und die Wiedervorlage. Der Vorschlag ersetzt keine Entscheidung, er bereitet sie nachvollziehbar vor.
Abgrenzung
Was dieses Werkzeug leistet und was nicht
Die Einstufung eines Kunden ist eine Entscheidung mit Nachweispflicht. Ein Rechner kann sie vorbereiten und dokumentierbar machen — treffen muss sie die verantwortliche Person.
Vorschlag statt Automatik
Ein reines Punktesystem wirkt objektiv und bildet Einzelfälle trotzdem falsch ab. Das Ergebnis ist deshalb ein Vorschlag, den die bearbeitende Person aktiv bestätigt oder begründet verwirft.
Mindernde Merkmale gehören dazu
Jedes der fünfzehn Merkmale hat eine risikomindernde Ausprägung. Wer nur Auffälligkeiten erfasst, kann eine niedrige Einstufung nicht begründen, sondern nur ihr Fehlen behaupten.
Keine Aussage zum Einzelfall
Ausgegeben werden Risikoklasse und die daraus folgenden Sorgfaltspflichten. Eine rechtliche Bewertung der konkreten Geschäftsbeziehung leistet das Werkzeug nicht und darf sie nicht leisten.
Rechner
Merkmale erfassen, Klassenvorschlag lesen
Alle Angaben bleiben im Browser. Es wird nichts übertragen und nichts gespeichert — der Katalog ist eine Denkhilfe, keine Erfassungsmaske.
Faktorenkatalog
Fünf Dimensionen, fünfzehn Merkmale. Risikomindernde Ausprägungen stehen im selben Katalog wie die risikoerhöhenden — ohne sie ließe sich eine niedrige Einstufung nicht begründen, sondern nur das Fehlen von Auffälligkeiten behaupten. Vorbelegt ist der übliche Inlandsfall.
Klassenmodell
Jede Klasse braucht eine Konsequenz
Eine Klasse ohne Folge ist ein Etikett und wird im Tagesgeschäft ignoriert. Die folgende Ausgestaltung koppelt an jede Klasse sechs konkrete Merkmale — vom Sorgfaltsniveau bis zur Wirkung im System.
Tabelle horizontal scrollbar
| Merkmal | Klasse niedrig | Klasse mittel | Klasse hoch |
|---|---|---|---|
| Sorgfaltsniveau | Vereinfacht, sofern gesetzlich zulässig | Allgemeine Sorgfaltspflichten | Verstärkte Sorgfaltspflichten |
| Identifizierung | Standardverfahren, reduzierte Prüfungstiefe | Standardverfahren mit vollständiger Dokumentation | Standardverfahren plus zusätzliche Absicherung |
| Mittelherkunft | Angabe im Rahmen der Selbstauskunft | Plausibilisierung anhand Finanzierungsunterlagen | Nachweisorientierte Klärung mit Belegen |
| Freigabe | Berater eigenständig | Vier-Augen-Prinzip im Innendienst | Zustimmung Geldwäschebeauftragter oder Leitungsebene |
| Wiedervorlage | Anlassbezogen | Regelmäßig, längerer Turnus | Regelmäßig, kurzer Turnus plus anlassbezogen |
| Systemwirkung | Kein Statusblocker | Reservierung erst nach dokumentierter Prüfung | Reservierung und Kaufvertrag erst nach Freigabe |
Beispielhafte Ausgestaltung. Die Zahl der Klassen ist gesetzlich nicht vorgegeben; entscheidend ist die Kopplung an klar definierte Konsequenzen.
Auslöser
Wann die Einstufung neu bewertet gehört
Eine Einstufung ist ein Zustand mit Haltbarkeitsdatum. Fünf Auslöser bilden den Mindestumfang eines Katalogs, der im System hinterlegt und mit automatischen Aufgaben verbunden ist.
- Finanzierung
- Die Finanzierungsstruktur ändert sich, etwa von Bankdarlehen auf Eigenmittel oder auf ein Privatdarlehen.
- Erwerberwechsel
- Der Erwerber wechselt oder ein weiterer Miterwerber kommt hinzu, auch der Erwerb über eine neu gegründete Gesellschaft.
- Nutzungsänderung
- Aus der geplanten Eigennutzung wird eine Kapitalanlage oder umgekehrt.
- Zahlungsweg
- Ungewöhnliche Zahlungsanweisungen oder der Wunsch, Zahlungen über Dritte abzuwickeln.
- Mehrfacherwerb
- Mehrere Einheiten werden in kurzer Folge erworben.
Nachweis
Was eine prüfungsfeste Dokumentation enthält
Nachvollziehbar ist eine Einstufung erst, wenn Monate später erkennbar bleibt, auf welcher Grundlage sie zustande kam.
- Den Faktorenkatalog in der Fassung, die zum Zeitpunkt der Einstufung galt.
- Die gewählten Ausprägungen je Merkmal, nicht nur das Ergebnis.
- Die bestätigte Klasse samt Begründung, falls sie vom Vorschlag abweicht.
- Name und Zeitpunkt der Bestätigung sowie die freigebende Rolle.
- Vorversionen bei jeder Änderung — überschreiben löscht den Nachweis.
Der Turnus von sechs beziehungsweise 24 Monaten ist eine Annahme zur Veranschaulichung, keine gesetzliche Frist.
FAQ
Häufige Fragen zur Risikoklassifizierung
Wie viele Risikoklassen sind sinnvoll?
Das Gesetz gibt keine Zahl vor. In der Praxis hat sich ein dreistufiges Modell bewährt, weil es die gesetzliche Unterscheidung zwischen vereinfachten, allgemeinen und verstärkten Sorgfaltspflichten direkt abbildet. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern dass jede Klasse klar definierte Konsequenzen auslöst.
Warum reicht ein Punktesystem allein nicht aus?
Ein Schwellenwert, der bei einer bestimmten Punktzahl automatisch umschaltet, wirkt objektiv, kann Einzelfälle aber falsch abbilden. Sinnvoll ist die Kombination: ein Scoring als Vorschlag und eine Pflicht zur Begründung, sobald die bearbeitende Person davon abweicht.
Bedeuten vereinfachte Sorgfaltspflichten, dass keine Identifizierung stattfindet?
Nein. Vereinfachte Sorgfaltspflichten bedeuten, dass Umfang und Tiefe der Maßnahmen reduziert werden können, etwa bei der Überprüfungstiefe oder der Frequenz der Aktualisierung. Die Identifizierung entfällt nicht.
In welchem Turnus muss eine Einstufung überprüft werden?
Eine feste gesetzliche Frist gibt es nicht. Der Rechner nutzt als Annahme sechs Monate für die hohe und 24 Monate für die mittlere Klasse; die niedrige Klasse wird nur anlassbezogen überprüft. Ergänzend gehört ein Katalog definierter Auslöser hinterlegt.
Ersetzt das Werkzeug die Risikoanalyse nach § 5 GwG?
Nein. Die unternehmensweite Risikoanalyse ist die Grundlage, aus der ein Faktorenkatalog abgeleitet wird. Dieser Rechner arbeitet auf der Ebene des Einzelfalls und ersetzt weder die Analyse noch die Entscheidung der oder des Geldwäschebeauftragten.
Jeder Vorgang steht an seiner Stufe
Board, Tabelle und Zeitstrahl zeigen dieselben Deals — wer wo hängt, sieht man ohne Rückfrage.


Bildschirmaufnahme aus der App, Beispieldaten.
CRM ansehenPassende Vertiefungen
Der Ratgeber hinter diesem Rechner: Faktorenkatalog, Datenmodell im CRM, Freigabewege und prüfungsfeste Dokumentation.
Angaben und Unterlagen strukturiert einsammeln, statt sie in Mail-Anhängen zu suchen.
Rollen, Rechte und Sichtbarkeiten für externe Partner sauber trennen.
Projekte, Einheiten und Reservierungen über mehrere Bauabschnitte steuern.
Kennzahlen für Pipeline, Reaktionszeit und Abschlussquote im Überblick.
Hosting, Berechtigungen und Auftragsverarbeitung im Detail.
Lass uns sprechen.
30 Minuten persönliche Demo – zugeschnitten auf dein Business.
