In vielen Immobilienvertrieben existieren Kennzahlen in drei Parallelwelten: Die Geschäftsführung sieht Umsatz und Beurkundungen im Monatsbericht, die Vertriebsleitung arbeitet mit einer eigenen Excel-Pipeline, und die Vertriebspartner führen ihre Termine in Kalendern und Notizen. Jede dieser Welten ist für sich plausibel. Zusammengelegt ergeben sie widersprüchliche Aussagen darüber, wie gut der Vertrieb tatsächlich läuft.
Vertriebscontrolling im Immobilienvertrieb bedeutet nicht, mehr Zahlen zu erzeugen. Es bedeutet, wenige Kennzahlen so zu definieren, dass sie aus einem gemeinsamen Datenmodell stammen, aufeinander aufbauen und einen erkennbaren Handlungsbezug haben. Eine Abschlussquote ist nur dann eine Steuerungsgröße, wenn eindeutig geregelt ist, ab welchem Status ein Kontakt in den Nenner gehört und wann er wieder herausfällt.
Dieser Beitrag beschreibt ein Kennzahlenmodell aus drei Schichten: Aktivität, Pipeline, Ergebnis. Er zeigt, welche Definitionen im Neubau- und Kapitalanlagevertrieb notwendig sind, wie sich Kennzahlen zwischen Geschäftsführung, Vertriebsleitung und Partnerorganisation aufteilen lassen und welche Rechenwege nachvollziehbar bleiben. Alle Zahlenbeispiele sind ausdrücklich als Annahmen gekennzeichnet und dienen der Methodik, nicht als Marktaussage.
Der Fokus liegt auf Vertrieben, die Neubauprojekte oder Kapitalanlageimmobilien über eigene Berater und externe Vertriebspartner verkaufen. Dort ist die Steuerung anspruchsvoller als im Bestandsmaklergeschäft: Das Angebot ist endlich, Reservierungen binden Einheiten, und Provisionen verteilen sich über mehrere Beteiligte.
Warum Kennzahlen im Immobilienvertrieb oft nicht steuern
Der häufigste Fehler ist nicht die Auswahl falscher Kennzahlen, sondern das Fehlen verbindlicher Definitionen. Wenn drei Berater den Status "in Verhandlung" unterschiedlich verwenden, ist jede daraus abgeleitete Quote ein Zufallsprodukt. Vertriebscontrolling beginnt deshalb nicht mit einem Dashboard, sondern mit einer schriftlich fixierten Statuslogik, an der sich alle Beteiligten orientieren.
Ein zweites Problem ist die Rückwärtsorientierung. Umsatz, Beurkundungen und ausgezahlte Provisionen beschreiben, was vor Wochen oder Monaten im Vertrieb passiert ist. Im Neubauvertrieb liegen zwischen Erstkontakt und Beurkundung oft mehrere Monate. Wer ausschließlich Ergebniskennzahlen betrachtet, reagiert auf Entwicklungen, die längst abgeschlossen sind, und kann Gegenmaßnahmen nur noch für den übernächsten Quartalsbericht wirksam machen.
Drittens werden Kennzahlen häufig aus Systemen gezogen, die nicht miteinander sprechen. Leads liegen im Marketing-Tool, Termine im Kalender, Reservierungen in einer Projekttabelle, Provisionen in der Buchhaltung. Jede Auswertung erfordert dann manuelles Zusammenführen, jede Zusammenführung erzeugt Abweichungen, und jede Abweichung kostet Vertrauen in die Zahlen. Nach zwei bis drei Diskussionen über die Richtigkeit der Daten wird das Reporting nicht mehr ernst genommen.
Viertens fehlt oft die Trennung zwischen Kennzahlen zur Steuerung und Kennzahlen zur Bewertung von Personen. Sobald eine Aktivitätszahl unmittelbar an Vergütung oder Kritik gekoppelt wird, verändert sich das Eintragungsverhalten. Dokumentiert wird dann das, was gut aussieht. Ein Kennzahlensystem sollte deshalb erklären, warum Daten erfasst werden, und die Auswertungslogik offenlegen.
- Uneinheitliche Statusdefinitionen erzeugen Quoten, die nicht vergleichbar sind
- Reine Ergebniskennzahlen kommen im Neubauvertrieb zu spät für Gegensteuerung
- Datensilos zwischen Marketing, Vertrieb und Buchhaltung verursachen Abweichungen
- Kennzahlen, die primär bewerten statt steuern, verändern das Erfassungsverhalten
- Zu viele Kennzahlen pro Ebene führen dazu, dass keine mehr beachtet wird
Praxis-Tipp
Definitionsblatt vor Dashboard
Legen Sie für jede Kennzahl schriftlich fest: Zähler, Nenner, Datenquelle, Zeitraumbezug und Ausschlusskriterien. Ein Dashboard ohne dieses Blatt erzeugt Diskussionen über Zahlen statt über Maßnahmen.
Das Drei-Schichten-Modell: Aktivität, Pipeline, Ergebnis
Ein tragfähiges Kennzahlensystem lässt sich in drei Schichten ordnen. Die Aktivitätsschicht misst, was der Vertrieb tut: Kontaktversuche, geführte Erstgespräche, versendete Exposés, durchgeführte Beratungstermine. Diese Werte sind unmittelbar beeinflussbar und liegen zeitlich am weitesten vorne. Sie sagen nichts über Qualität aus, aber sie erklären, ob überhaupt genug Bewegung im System ist.
Die Pipelineschicht beschreibt den Bestand: Wie viele qualifizierte Interessenten befinden sich in welchem Status, mit welchem Volumen und welchem Alter. Hier entstehen die klassischen Steuerungsfragen: Ist genügend Substanz für die kommenden Monate vorhanden, verteilt sich das Volumen auf wenige große Chancen, und wie lange liegen Vorgänge unbearbeitet?
Die Ergebnisschicht zeigt Reservierungen, Beurkundungen, realisierten Umsatz und abgerechnete Provisionen. Sie ist die Wahrheit im buchhalterischen Sinn und zugleich die Schicht mit der größten Zeitverzögerung. Ihr Wert im Controlling liegt darin, die beiden vorgelagerten Schichten zu kalibrieren: Erst der Abgleich zeigt, welche Aktivitätsniveaus und Pipelinebestände tatsächlich zu Abschlüssen geführt haben.
Die Verbindung der Schichten ist der eigentliche Kern des Vertriebscontrollings. Wenn Sie wissen, wie viele qualifizierte Erstgespräche im eigenen Haus im Durchschnitt der letzten zwölf Monate zu einer Beurkundung geführt haben, können Sie aus der Aktivitätsschicht eine belastbare Prognose ableiten. Diese Verhältniszahl ist unternehmensindividuell und muss aus den eigenen Daten gewonnen werden, nicht aus fremden Benchmarks.
- 1Aktivitätsschicht definieren: Welche Handlungen werden im CRM erfasst und wie werden sie ausgelöst?
- 2Pipelineschicht strukturieren: Welche Status gibt es, welche Übergänge sind erlaubt, wann fällt ein Vorgang heraus?
- 3Ergebnisschicht anbinden: Ab wann gilt ein Abschluss als realisiert, und wie wird Rückabwicklung behandelt?
- 4Verhältniszahlen aus eigenen Daten berechnen und mindestens quartalsweise nachjustieren
- 5Pro Ebene maximal fünf bis sieben Kennzahlen im Regelbericht sichtbar machen
Praxis-Tipp
Frühindikatoren zuerst besetzen
Wenn Sie nur begrenzte Kapazität für den Aufbau haben, beginnen Sie mit Erstkontaktzeit, Qualifizierungsquote und Pipelinealter. Diese drei Größen erklären einen erheblichen Teil der späteren Ergebnisunterschiede und sind ohne komplexe Auswertung erfassbar.
Aktivitätskennzahlen: Was der Vertrieb tatsächlich tut
Aktivitätskennzahlen haben einen schlechten Ruf, weil sie oft als Kontrollinstrument missbraucht werden. Richtig eingesetzt sind sie das früheste verfügbare Signal. Die wichtigste Größe ist die Erstkontaktzeit: die Spanne zwischen Eingang einer Anfrage und dem ersten dokumentierten Kontaktversuch. Sie ist eindeutig messbar, wenn Anfragen automatisiert im CRM landen und jeder Kontaktversuch dort protokolliert wird.
Ergänzend sinnvoll ist die Kontaktversuchstiefe: Wie viele Versuche werden unternommen, bevor ein Lead als nicht erreichbar geschlossen wird. Wenn ein Team nach durchschnittlich zwei Versuchen aufgibt und ein anderes nach fünf, unterscheiden sich die daraus abgeleiteten Erreichbarkeitsquoten systematisch. Ohne diese Kennzahl vergleichen Sie Teams mit unterschiedlicher Hartnäckigkeit anhand identischer Erfolgsmaßstäbe.
Die Terminquote verbindet Aktivität und erste Qualifikation: Anteil der kontaktierten Interessenten, mit denen ein Beratungstermin zustande kommt. Sie reagiert deutlich auf Leadquelle, Ansprache und Projektzuschnitt und eignet sich daher gut zur Bewertung von Kanälen. Wichtig ist eine einheitliche Definition, was als Termin zählt: ein terminierter Video-Call, ein stattgefundenes Gespräch oder ein Gespräch ab einer Mindestdauer.
Aktivitätskennzahlen sollten immer im Verhältnis zur verfügbaren Kapazität betrachtet werden. Ein Berater, der 40 neue Anfragen pro Woche erhält und 15 Bestandsvorgänge betreut, kann keine Erstkontaktzeit von unter einer Stunde halten. Die Kennzahl deckt in diesem Fall kein Verhaltensproblem auf, sondern ein Kapazitätsproblem. Die Unterscheidung entscheidet darüber, ob Sie Training, Prozessänderung oder Personal brauchen.
Der Aufbau dieser Ebene setzt voraus, dass Aktivitäten ohne Zusatzaufwand entstehen. Wenn jeder Anruf manuell nachgetragen werden muss, sinkt die Erfassungsquote und die Kennzahl wird wertlos. Eine Anbindung von Telefonie, E-Mail und Terminkalender an das [CRM von MyInvest Pro](/features/crm) ist deshalb Voraussetzung und nicht Komfortfunktion.
- Erstkontaktzeit: Median statt Durchschnitt verwenden, um Ausreißer nicht zu verzerren
- Kontaktversuchstiefe: Anzahl Versuche bis Statuswechsel auf "nicht erreicht"
- Terminquote: Anteil qualifizierter Erstgespräche an kontaktierten Interessenten
- Aktivitätsdichte pro Berater im Verhältnis zum offenen Vorgangsbestand
- Anteil Vorgänge ohne dokumentierte Aktivität in den letzten 14 Tagen
Median
Empfohlene Auswertungsform für Erstkontaktzeit
Robuster gegen einzelne Extremfälle als der Mittelwert
14 Tage
Vorgeschlagene Schwelle für inaktive Vorgänge
Gestaltungsempfehlung, projektabhängig anzupassen
3 Ebenen
Aktivität, Pipeline, Ergebnis im Steuerungsmodell
Jede Ebene mit eigener Datenquelle und Verantwortung
Pipelinekennzahlen: Substanz, Struktur und Alter
Die Pipeline ist der Bestand an offenen Verkaufschancen. Ihre einfachste Kennzahl ist das gewichtete Volumen: Summe aller offenen Vorgänge, multipliziert mit der jeweiligen Abschlusswahrscheinlichkeit des Status. Diese Gewichtung ist nur dann brauchbar, wenn die Wahrscheinlichkeiten aus historischen Übergangsquoten stammen und nicht aus Bauchgefühl. Ein Status "Finanzierung in Prüfung" mit einer historisch belegten Übergangsquote von 60 Prozent liefert eine andere Prognose als eine pauschal gesetzte Schätzung.
Ebenso wichtig ist die Pipeline-Deckung: Verhältnis von gewichtetem Pipelinevolumen zum Zielumsatz der kommenden Periode. Annahme: Ihr Quartalsziel liegt bei 3.000.000 Euro Beurkundungsvolumen, und das gewichtete Pipelinevolumen mit erwarteter Beurkundung im Quartal beträgt 2.100.000 Euro. Die Deckung liegt bei 70 Prozent. Diese Zahl allein löst nichts, aber sie zeigt frühzeitig, ob Neuakquise oder Beschleunigung bestehender Vorgänge die richtige Maßnahme ist.
Das Pipelinealter deckt stille Blockaden auf. Ein Vorgang, der seit 90 Tagen im Status "Angebot versendet" liegt, hat faktisch eine andere Abschlusswahrscheinlichkeit als ein Vorgang, der diesen Status vor fünf Tagen erreicht hat. Wenn beide identisch gewichtet werden, überschätzt die Prognose die Realität. Eine Alterskorrektur oder eine automatische Rückstufung nach definierten Fristen erhöht die Aussagekraft erheblich.
Ergänzend sollte die Konzentration bewertet werden: Welcher Anteil des gewichteten Volumens entfällt auf die fünf größten Vorgänge. Bei hoher Konzentration hängt die Zielerreichung an wenigen Entscheidungen. Für die Geschäftsführung ist das eine Risikoinformation, die aus einer reinen Volumensumme nicht hervorgeht.
In Projekten mit begrenztem Angebot kommt eine Besonderheit hinzu: Mehrere Interessenten können auf dieselbe Einheit zielen. Ohne Verknüpfung zwischen Vorgang und Einheit summiert die Pipeline Volumen, das sich gegenseitig ausschließt. Die [Projekt- und Einheitenverwaltung](/features/projekte) muss deshalb mit der Deal-Pipeline verbunden sein, damit Mehrfachbelegungen erkennbar bleiben.
Pipelinekennzahlen und ihre Aussage
| Kennzahl | Rechenweg | Steuerungsfrage |
|---|---|---|
| Gewichtetes Pipelinevolumen | Summe (Vorgangsvolumen × Statuswahrscheinlichkeit) | Reicht die Substanz für das Periodenziel? |
| Pipeline-Deckung | Gewichtetes Volumen ÷ Periodenziel | Neuakquise oder Beschleunigung notwendig? |
| Pipelinealter je Status | Median Tage seit letztem Statuswechsel | Wo bleiben Vorgänge systematisch liegen? |
| Konzentrationsquote | Volumen Top-5-Vorgänge ÷ Gesamtvolumen | Wie stark hängt das Ziel an wenigen Deals? |
| Einheitenkollision | Anzahl Einheiten mit mehr als einem aktiven Vorgang | Wird Volumen doppelt gezählt? |
| Zuflussrate | Neue qualifizierte Vorgänge je Woche | Bleibt der Nachschub stabil? |
Praxis-Tipp
Wahrscheinlichkeiten nachrechnen statt setzen
Ermitteln Sie einmal jährlich aus Ihren eigenen historischen Vorgängen, wie viele Deals je Status tatsächlich beurkundet wurden. Nutzen Sie diese Werte als Gewichtung. Geschätzte Prozentsätze erzeugen eine Prognose, die niemand verteidigen kann.
Abschluss- und Ergebniskennzahlen sauber definieren
Die Abschlussquote ist die meistgenannte und am wenigsten präzise definierte Kennzahl im Immobilienvertrieb. Entscheidend ist der Nenner. Rechnen Sie Abschlüsse gegen alle eingegangenen Anfragen, gegen alle qualifizierten Interessenten oder gegen alle geführten Beratungsgespräche? Alle drei Varianten sind zulässig, liefern aber völlig unterschiedliche Werte. Legen Sie eine Variante als Leitkennzahl fest und führen Sie die anderen als Ergänzung.
Im Neubauvertrieb ist zusätzlich die Trennung zwischen Reservierung und Beurkundung notwendig. Eine Reservierung bindet eine Einheit, ist aber kein realisierter Umsatz. Die Reservierungsverfallquote, also der Anteil der Reservierungen, die nicht zur Beurkundung führen, ist eine der wichtigsten Steuerungsgrößen überhaupt: Sie zeigt, ob zu früh reserviert wird, ob die Finanzierungsvorprüfung zu locker ist oder ob Fristen nicht nachgehalten werden.
Rechenbeispiel. Annahme: Ein Projekt hat im Halbjahr 48 Reservierungen erzeugt, davon führten 36 zur Beurkundung. Die Verfallquote beträgt 25 Prozent. Annahme weiter: Die durchschnittliche Bindungsdauer einer Reservierung liegt bei 30 Tagen. Dann waren 12 Einheiten insgesamt rund 360 Einheitentage blockiert, ohne dass ein Abschluss entstand. Bei einem eng getakteten Vertriebsstart ist das ein relevanter Kapazitätsverlust, der in reinen Umsatzzahlen unsichtbar bleibt.
Die Durchlaufzeit vom qualifizierten Erstgespräch bis zur Beurkundung ist die dritte Ergebniskennzahl mit hohem Steuerungswert. Sie bestimmt, wie viel Vorlauf Ihre Akquise benötigt. Annahme: Die mediane Durchlaufzeit liegt bei 74 Tagen. Dann müssen Vorgänge, die im Oktober beurkundet werden sollen, spätestens Mitte Juli qualifiziert vorliegen. Aus dieser einfachen Rückrechnung ergibt sich der Akquisebedarf pro Monat.
Ergänzend gehört die Stornoquote nach Beurkundung ins Bild, etwa durch Rücktritt oder Nichtabnahme. Sie beeinflusst die Provisionsabrechnung unmittelbar, weil bereits abgerechnete Anteile zurückgeführt werden müssen. Wer diese Fälle nicht systematisch erfasst, hat in der [Provisionsabrechnung](/features/provisionen) regelmäßig Korrekturen ohne saubere Nachvollziehbarkeit.
- 1Leitdefinition der Abschlussquote festlegen und im Definitionsblatt dokumentieren
- 2Reservierung und Beurkundung als getrennte Statusereignisse führen
- 3Reservierungsverfallquote monatlich je Projekt und je Vertriebspartner auswerten
- 4Mediane Durchlaufzeit je Projekttyp ermitteln und für Akquiseplanung rückrechnen
- 5Storno- und Rückabwicklungsfälle mit Grund erfassen, nicht nur als Statuswechsel
Bauträger-spezifisch: Einheitenbezogene Kennzahlen
Im Bauträgervertrieb ist das Angebot endlich. Damit ändert sich die Logik des Controllings grundlegend: Es geht nicht nur darum, wie viel verkauft wird, sondern wie schnell ein definierter Bestand abgebaut wird und welche Einheiten übrig bleiben. Der Abverkaufsgrad, also der Anteil beurkundeter Einheiten am Gesamtbestand des Projekts, ist die Basisgröße. Er sollte immer zusammen mit dem Zeitverlauf seit Vertriebsstart betrachtet werden.
Die Abverkaufsgeschwindigkeit, gemessen in beurkundeten Einheiten pro Monat, erlaubt eine Restlaufzeitprognose. Rechenbeispiel. Annahme: Ein Projekt mit 60 Einheiten hat nach fünf Monaten 27 Einheiten beurkundet, also 5,4 Einheiten pro Monat. Bei konstanter Geschwindigkeit wären die verbleibenden 33 Einheiten in gut sechs Monaten verkauft. Diese Linearrechnung ist bewusst simpel und muss um den Effekt korrigiert werden, dass attraktive Einheiten meist zuerst gehen.
Genau dafür braucht es die Restbestandsstruktur: Verteilung der offenen Einheiten nach Größe, Geschoss, Ausrichtung und Preisklasse. Wenn nach 60 Prozent Abverkauf überwiegend Erdgeschosswohnungen zur Nordseite übrig sind, ist die bisherige Geschwindigkeit kein Maßstab mehr. Diese Kennzahl ist qualitativ und lässt sich schlecht in eine einzelne Zahl pressen, gehört aber in jedes Projektreporting.
Die Preisrealisierungsquote vergleicht erzielte Kaufpreise mit den kalkulierten Listenpreisen. Sie zeigt, ob Abverkaufsgeschwindigkeit durch Nachlässe erkauft wird. Ein Projekt, das schnell verkauft, aber systematisch unter Liste abschließt, hat ein Preisproblem, kein Vertriebsproblem. Für die Geschäftsführung ist diese Unterscheidung entscheidend, weil sie unterschiedliche Konsequenzen hat.
Schließlich ist die Reservierungsdauer je Einheit relevant. Sie zeigt, wie lange Einheiten im Schwebezustand gebunden sind. Lange Bindungen ohne Fortschritt reduzieren die effektiv verkaufbare Menge, ohne dass dies im Abverkaufsgrad sichtbar wird. Eine Auswertung nach Einheitenstatus im Zeitverlauf macht diesen Effekt sichtbar.
- Abverkaufsgrad: beurkundete Einheiten ÷ Gesamteinheiten des Projekts
- Abverkaufsgeschwindigkeit: beurkundete Einheiten pro Monat seit Vertriebsstart
- Restbestandsstruktur nach Größe, Lage im Objekt und Preisklasse
- Preisrealisierungsquote: erzielter Preis ÷ kalkulierter Listenpreis
- Anteil aktuell reservierter Einheiten am Gesamtbestand
- Durchschnittliche Bindungsdauer je Reservierung
Praxis-Tipp
Abverkauf immer gegen Restbestand lesen
Ein Abverkaufsgrad von 70 Prozent sagt wenig, wenn die verbleibenden 30 Prozent aus schwer verkäuflichen Einheiten bestehen. Ergänzen Sie die Kennzahl im Projektbericht grundsätzlich um eine Übersicht der offenen Einheiten nach Merkmalen.
Vertriebspartner und Strukturen controllen
Wenn ein Teil des Vertriebs über externe Partner läuft, verändert sich die Kennzahlenlogik. Sie haben in der Regel weniger Einblick in die Aktivitätsschicht, weil Partner ihre Kontaktversuche nicht zwingend in Ihrem System dokumentieren. Umso wichtiger ist eine klar definierte Übergabestelle: Ab welchem Punkt muss ein Vorgang in Ihrem System sichtbar sein, damit er als Partnervorgang gilt.
Sinnvolle Partnerkennzahlen setzen an dieser Übergabestelle an. Die Aktivierungsquote zeigt, welcher Anteil der angebundenen Partner in einer Periode überhaupt einen qualifizierten Vorgang eingebracht hat. Rechenbeispiel. Annahme: 40 Partner sind angebunden, 14 haben im Quartal mindestens einen qualifizierten Vorgang eingereicht. Die Aktivierungsquote beträgt 35 Prozent. Diese Zahl beschreibt weniger die Leistung der Aktiven als die Effektivität Ihres Partner-Onboardings.
Die Qualitätsquote je Partner setzt eingereichte Vorgänge ins Verhältnis zu solchen, die die Qualifizierung bestehen. Partner, die viele Vorgänge einreichen, von denen wenige qualifiziert werden, verursachen Bearbeitungsaufwand ohne Ergebnisbeitrag. Diese Kennzahl gehört in das Partnergespräch, nicht in eine öffentliche Rangliste, weil sie stark vom Marktzugang des Partners abhängt.
Für Strukturvertriebe kommt die Ebenenbetrachtung hinzu: Wie verteilt sich der Ergebnisbeitrag über Hierarchieebenen, und wie hoch ist der Anteil des Umsatzes, der von Partnern stammt, die erst in den letzten zwölf Monaten angebunden wurden. Beide Größen zeigen, ob die Struktur wächst oder ob sie von wenigen langjährigen Partnern getragen wird.
Die Provisionsseite gehört zwingend dazu. Der Provisionsaufwand je beurkundeter Einheit, aufgeschlüsselt nach Vertriebsweg, macht sichtbar, ob der Partnerkanal wirtschaftlich mit dem Eigenvertrieb konkurriert. Die [Vertriebspartner-Verwaltung](/features/vertriebspartner) sollte diese Zuordnung ohne manuelle Nacharbeit liefern, weil sonst jede Auswertung mehrere Tage Vorlauf benötigt.
Kennzahlen für Eigenvertrieb und Partnervertrieb im Vergleich
| Kennzahl | Eigenvertrieb | Partnervertrieb |
|---|---|---|
| Aktivitätsdaten | Vollständig im CRM erfassbar | Meist erst ab Übergabestelle sichtbar |
| Leitkennzahl Frühindikator | Erstkontaktzeit und Terminquote | Aktivierungsquote und Einreichungsrate |
| Qualitätssteuerung | Coaching und Gesprächsleitfaden | Qualifizierungsquote je Partner |
| Kostenbezug | Personal- und Leadkosten je Abschluss | Provisionsaufwand je Abschluss |
| Risikofaktor | Kapazitätsengpass bei Spitzenlast | Konzentration auf wenige aktive Partner |
Kennzahlen aus einer Datenbasis statt aus drei Tabellen
MyInvest Pro verbindet Pipeline, Einheitenstatus und Provisionsabrechnung in einem System. In einer Live-Demo zeigen wir, wie sich daraus Aktivitäts-, Pipeline- und Abschlusskennzahlen ohne manuelle Nacharbeit ableiten lassen.
MyInvest Pro
Welche Kennzahl gehört auf welche Führungsebene
Ein häufiger Fehler ist der identische Bericht für alle. Die Geschäftsführung braucht Aggregate und Risikoinformationen, die Vertriebsleitung braucht Steuerungsgrößen mit Wochenrhythmus, und der einzelne Berater braucht eine Arbeitsliste. Wenn alle dasselbe Dashboard sehen, ist es für mindestens zwei der drei Ebenen zu detailliert oder zu grob.
Auf Geschäftsführungsebene genügen wenige Größen: Abverkaufsgrad je Projekt, Pipeline-Deckung für die kommenden zwei Quartale, Durchlaufzeit, Preisrealisierungsquote und Provisionsaufwand je Abschluss. Diese fünf Kennzahlen beantworten die Fragen nach Zielerreichung, Vorlauf und Wirtschaftlichkeit. Alles Weitere gehört in Anhänge, die auf Nachfrage geöffnet werden.
Die Vertriebsleitung arbeitet eine Ebene tiefer. Hier sind Erstkontaktzeit, Anteil inaktiver Vorgänge, Pipelinealter je Status, Reservierungsverfallquote und Terminquote je Berater relevant. Diese Werte lassen unmittelbare Maßnahmen zu: Vorgänge neu verteilen, Nachfassaktionen auslösen, Gesprächsführung nachschärfen. Der sinnvolle Rhythmus ist wöchentlich, in Vertriebsstartphasen auch täglich.
Für den einzelnen Berater oder Partner ist eine Kennzahl nur dann nützlich, wenn sie zu einer Handlung führt. Statt einer Quotenanzeige ist eine priorisierte Arbeitsliste hilfreicher: Vorgänge mit ablaufender Reservierungsfrist, Interessenten ohne Kontakt seit definierter Frist, offene Unterlagen. Die Kennzahl wird hier zur Sortierlogik, nicht zum Bewertungsinstrument.
Der Übergang zwischen den Ebenen sollte konsistent sein: Die Summe der Beraterlisten muss die Zahlen der Vertriebsleitung ergeben, und deren Aggregate müssen zum Geschäftsführungsbericht passen. Dieser Abgleich ist ein guter Test für die Datenqualität. Wenn er nicht aufgeht, liegt ein Definitions- oder ein Datenproblem vor, das vor jeder Interpretation zu klären ist.
- 1Geschäftsführung: fünf Aggregate, monatlicher Rhythmus, Fokus auf Zielerreichung und Wirtschaftlichkeit
- 2Vertriebsleitung: fünf bis sieben Steuerungsgrößen, wöchentlicher Rhythmus, Fokus auf Engpässe
- 3Berater und Partner: priorisierte Arbeitslisten statt Quotenanzeigen, tägliche Nutzung
- 4Konsistenzprüfung: Summen der unteren Ebene müssen die obere Ebene ergeben
- 5Abweichungen zuerst als Definitionsfrage prüfen, erst danach als Leistungsfrage
Praxis-Tipp
Ein Bericht, drei Sichten
Bauen Sie die Ebenen als Filtersichten auf derselben Datenbasis, nicht als getrennte Auswertungen. Getrennte Auswertungen driften auseinander, sobald sich eine Definition ändert, und erzeugen genau die Diskussionen, die Sie vermeiden wollen.
Datenbasis und Statuslogik als Fundament
Kein Kennzahlensystem ist besser als die Statuslogik darunter. Eine belastbare Logik hat wenige Status, eindeutige Eintrittskriterien und definierte Übergänge. Fünf bis acht Status reichen im Neubauvertrieb in aller Regel aus: Neuanfrage, kontaktiert, qualifiziert, Beratung erfolgt, Reservierung, Beurkundung, verloren. Jeder zusätzliche Status muss sich durch eine eigene Steuerungsentscheidung rechtfertigen.
Für jeden Status brauchen Sie ein Eintrittskriterium, das nicht interpretierbar ist. "Qualifiziert" könnte bedeuten: Budgetrahmen bekannt, Finanzierungssituation grob eingeschätzt, Kaufzeitraum benannt. Ohne solche Kriterien setzt jeder Berater den Status nach eigenem Empfinden, und die Pipeline-Gewichtung wird zur Fiktion.
Ebenso wichtig sind Austrittsregeln. Wann gilt ein Vorgang als verloren, wann als ruhend, wann wird er automatisch zurückgestuft? Eine Regel wie "ohne Kontakt seit 45 Tagen automatisch auf ruhend" hält die Pipeline sauber, ohne dass jemand manuell aufräumen muss. Ohne solche Regeln wächst die Pipeline monoton und verliert jede Prognosekraft.
Die Datenqualität selbst ist ein Controllingthema. Dublettenquote, Anteil Vorgänge ohne Pflichtfelder und Anteil Vorgänge ohne zugeordnete Einheit sind messbar und sollten im Regelbericht der Vertriebsleitung stehen. Sie sind keine Nebensache, sondern bestimmen die Belastbarkeit aller anderen Zahlen.
Schließlich gehört zur Datenbasis eine saubere Rechtegrundlage. Wer welche Kennzahlen sehen darf, ist im Partnervertrieb keine triviale Frage: Ein Partner soll seine eigenen Vorgänge sehen, nicht die des Wettbewerbers im selben Projekt. Die [Sicherheit & DSGVO](/features/sicherheit)-Konfiguration und die Rollenlogik müssen deshalb vor dem Reporting-Aufbau geklärt sein, nicht danach.
- Fünf bis acht Status mit eindeutigen Eintrittskriterien statt beliebig vieler Zwischenstufen
- Automatische Rückstufung nach definierter Inaktivitätsfrist
- Pflichtfelder je Statusübergang statt Pflichtfelder bei Anlage
- Dubletten- und Vollständigkeitsquote als eigene Controllingkennzahlen
- Rollen- und Sichtbarkeitskonzept vor dem Dashboard-Aufbau festlegen
Rechenbeispiel: Vom Ziel zur Aktivitätsplanung
Die eigentliche Leistung eines Kennzahlensystems zeigt sich, wenn es rückwärts rechenbar wird. Ausgangspunkt ist das Periodenziel, Endpunkt ist die notwendige Aktivität. Das folgende Beispiel arbeitet ausschließlich mit gesetzten Annahmen und dient der Methodik.
Annahme: Ein Projekt mit 48 Einheiten soll in zwölf Monaten abverkauft werden, also im Schnitt vier Beurkundungen pro Monat. Annahme weiter: Aus der eigenen Historie ergibt sich, dass 100 qualifizierte Interessenten zu 32 Reservierungen führen und 32 Reservierungen zu 24 Beurkundungen. Damit führen 100 qualifizierte Interessenten zu 24 Beurkundungen, also braucht eine Beurkundung rechnerisch rund 4,2 qualifizierte Interessenten.
Für vier Beurkundungen pro Monat werden demnach rund 17 qualifizierte Interessenten benötigt. Annahme: Von den kontaktierten Anfragen erreichen 40 Prozent den Status qualifiziert. Dann sind rund 43 erfolgreich kontaktierte Anfragen pro Monat erforderlich. Annahme weiter: Von allen eingehenden Anfragen werden 70 Prozent tatsächlich erreicht. Damit ergibt sich ein Bedarf von rund 61 eingehenden Anfragen pro Monat.
Diese Rückrechnung liefert drei Steuerungsgrößen gleichzeitig: den monatlichen Leadbedarf, die notwendige Erreichbarkeitsquote und die notwendige Qualifizierungsquote. Verschlechtert sich eine dieser Größen, lässt sich unmittelbar berechnen, wie viel zusätzlicher Leadzufluss dies kompensieren müsste. Annahme: Fällt die Erreichbarkeit von 70 auf 55 Prozent, steigt der Anfragebedarf von 61 auf rund 78 pro Monat.
Der entscheidende Punkt ist, dass die Übergangsquoten aus den eigenen Daten stammen müssen. Fremde Vergleichswerte sind für diese Rechnung unbrauchbar, weil Leadquellen, Projektzuschnitt und Beratungsqualität zu unterschiedlich sind. Ein [Reporting & Kennzahlen](/features/reporting)-Modul, das Statusübergänge historisch auswertet, macht diese Ableitung ohne Excel-Nacharbeit möglich.
4,2
Qualifizierte Interessenten je Beurkundung im Rechenbeispiel
Annahme, abgeleitet aus gesetzten Übergangsquoten
61
Benötigte Anfragen pro Monat im Rechenbeispiel
Bei vier Beurkundungen pro Monat als Zielgröße
78
↑Anfragebedarf bei gesunkener Erreichbarkeit
Annahme: Erreichbarkeit fällt von 70 auf 55 Prozent
Rhythmus, Format und Verantwortlichkeiten
Kennzahlen wirken nur in einem festen Takt. Ein Bericht, der unregelmäßig erscheint, wird nicht Teil der Routine und verliert seine Steuerungswirkung. Bewährt hat sich eine Dreiteilung: tägliche Arbeitslisten für die operative Ebene, ein wöchentlicher Steuerungstermin der Vertriebsleitung und ein monatlicher Bericht für die Geschäftsführung.
Im wöchentlichen Termin sollte nicht der Bericht vorgelesen werden. Sinnvoll ist ein Ablauf, bei dem nur Abweichungen besprochen werden: Welche Kennzahl hat einen definierten Schwellenwert verlassen, was ist die vermutete Ursache, welche Maßnahme wird bis wann von wem umgesetzt. Der Bericht selbst muss vorher gelesen sein.
Dafür braucht jede Kennzahl einen Verantwortlichen. Nicht für den Wert, sondern für die Erklärung und die Maßnahme. Wenn die Reservierungsverfallquote steigt, muss klar sein, wer diese Entwicklung analysiert. Ohne diese Zuordnung wandert jede Abweichung in eine allgemeine Diskussion und endet ohne Ergebnis.
Schwellenwerte sollten vorab definiert und dokumentiert werden. Sie sind Gestaltungsentscheidungen, keine Naturgesetze: Eine Erstkontaktzeit von über vier Stunden oder ein Anteil inaktiver Vorgänge von über 20 Prozent können sinnvolle Auslöser sein. Wichtig ist, dass die Schwelle vor der Beobachtung festgelegt wird, nicht danach.
Die Dokumentation der Maßnahmen schließt den Kreis. Wenn Sie nach drei Monaten nachvollziehen können, welche Maßnahme auf welche Abweichung folgte und wie sich die Kennzahl danach entwickelt hat, entsteht organisationales Lernen. Ohne diese Rückkopplung bleibt Controlling eine Berichtspflicht.
Praxis-Tipp
Abweichungslogik statt Vollbericht
Definieren Sie Schwellenwerte und lassen Sie das System nur Abweichungen melden. Ein wöchentlicher Termin mit drei Abweichungspunkten führt zu mehr Maßnahmen als eine 20-seitige Auswertung, die vollständig, aber unbearbeitet bleibt.
Praxis-Tipp
Maßnahmen im selben System dokumentieren
Halten Sie Maßnahme, Verantwortlichen und Frist am jeweiligen Projekt oder Vorgang fest, nicht in einem separaten Protokoll. Nur so ist beim nächsten Termin ohne Suchaufwand nachvollziehbar, was aus der letzten Entscheidung geworden ist.
Rechtliche Einordnung: Was bei der Auswertung zu beachten ist
Vertriebscontrolling verarbeitet personenbezogene Daten in doppelter Hinsicht: Daten von Interessenten und Daten von Mitarbeitenden beziehungsweise Vertriebspartnern. Beide Bereiche unterliegen der Datenschutz-Grundverordnung. Für die Auswertung bedeutet das insbesondere, dass Zweckbindung, Erforderlichkeit und Speicherdauer geklärt sein müssen. Dies ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung; die Prüfung im Einzelfall gehört in fachkundige Hände.
Bei mitarbeiterbezogenen Auswertungen ist die Grenze zwischen Prozesssteuerung und Leistungs- beziehungsweise Verhaltenskontrolle relevant. Je granularer eine Aktivitätsauswertung einer einzelnen Person zuordenbar ist, desto sorgfältiger ist zu prüfen, auf welcher Grundlage sie erfolgt und ob betriebliche Mitbestimmung berührt ist. Aggregierte Teamauswertungen sind in vielen Konstellationen der pragmatischere Weg.
Bei Interessentendaten ist die Löschlogik ein oft unterschätzter Punkt. Kennzahlen über historische Übergangsquoten setzen voraus, dass Vorgangsdaten über längere Zeiträume verfügbar bleiben. Eine mögliche Gestaltung ist die Trennung von personenbezogenen Feldern und statistischen Vorgangsdaten, sodass Auswertungen auch nach Löschung der Personendaten möglich bleiben.
Im Immobilienvertrieb kommen branchenspezifische Pflichten hinzu, die indirekt Kennzahlen betreffen. Dokumentationspflichten nach dem Geldwäschegesetz erzeugen Nachweisaufgaben je Vorgang, deren Erfüllungsgrad sich als Prozesskennzahl abbilden lässt. Auch Anforderungen aus der Makler- und Bauträgerverordnung wirken auf die Prozessgestaltung und damit auf messbare Zwischenschritte.
Für die Systemauswahl folgt daraus eine praktische Anforderung: Auswertungen und Zugriffe müssen protokollierbar und rollenbezogen steuerbar sein. Wer aus einer Tabelle heraus auswertet, kann weder nachweisen, wer welche Daten gesehen hat, noch Löschfristen zuverlässig umsetzen.
- Zweckbindung und Erforderlichkeit je Auswertung dokumentieren
- Aggregierte Team-Sichten gegenüber personenscharfen Aktivitätsauswertungen bevorzugen, wo möglich
- Löschkonzept mit statistischer Auswertbarkeit vereinbaren
- Zugriffs- und Auswertungsprotokolle im System vorsehen
- Rechtliche Einzelfragen fachkundig prüfen lassen, nicht aus Praxisberichten ableiten
Einführung in 90 Tagen: ein realistischer Ablauf
Ein Kennzahlensystem lässt sich nicht in einem Workshop einführen. Realistisch ist ein Zeitraum von rund drei Monaten bis zum ersten belastbaren Regelbericht, weil zwischen Definition, Systemabbildung und Datensammlung Zeit vergehen muss. Der folgende Ablauf beschreibt eine mögliche Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat.
In den ersten Wochen steht die Definitionsarbeit im Vordergrund: Statuslogik, Eintrittskriterien, Kennzahlendefinitionen und Verantwortlichkeiten. Diese Phase wird regelmäßig unterschätzt, entscheidet aber über alles Folgende. Beteiligen Sie mindestens einen erfahrenen Berater, weil sonst Definitionen entstehen, die im Alltag nicht abbildbar sind.
Anschließend folgt die Systemabbildung: Status im CRM anlegen, Pflichtfelder an Übergänge koppeln, Automatismen für Rückstufung und Fristen einrichten, Rollen und Sichtbarkeiten konfigurieren. Parallel sollte die Altdatenbereinigung laufen, weil Auswertungen sonst durch Karteileichen verzerrt werden.
In der dritten Phase läuft das System im Echtbetrieb, ohne dass bereits Konsequenzen an Kennzahlen geknüpft werden. Diese Beobachtungsphase deckt Definitionsprobleme auf, die in der Theorie nicht sichtbar waren. Erst danach werden Schwellenwerte gesetzt und der Regelrhythmus scharf geschaltet.
Rechnen Sie mit einer Nachjustierung nach etwa sechs Monaten. Dann liegen genug Statusübergänge vor, um die Gewichtungen erstmals empirisch zu setzen statt zu schätzen. Wer diesen Schritt auslässt, arbeitet dauerhaft mit Annahmen, die nie überprüft wurden.
- 1Woche 1 bis 3: Statuslogik und Kennzahlendefinitionen schriftlich festlegen, Verantwortliche benennen
- 2Woche 4 bis 6: Systemabbildung im CRM, Automatismen und Rollenkonzept einrichten
- 3Woche 5 bis 8: Altdaten bereinigen, Dubletten zusammenführen, Vorgänge Einheiten zuordnen
- 4Woche 7 bis 10: Echtbetrieb ohne Konsequenzen, Definitionsprobleme sammeln und korrigieren
- 5Woche 11 bis 13: Schwellenwerte setzen, Regelrhythmus starten, Maßnahmendokumentation etablieren
- 6Nach sechs Monaten: Übergangsquoten empirisch neu berechnen und Gewichtungen anpassen
Praxis-Tipp
Nicht mit dem Dashboard beginnen
Die Versuchung ist groß, zuerst die Visualisierung zu bauen, weil sie sichtbar ist. Ohne definierte Status und bereinigte Daten zeigt jedes Dashboard vor allem, wie uneinheitlich bisher gearbeitet wurde, und verliert damit sofort an Akzeptanz.
Häufige Fehler im Vertriebscontrolling und wie Sie sie vermeiden
Der erste typische Fehler ist die Kennzahleninflation. Ein Bericht mit 30 Werten wirkt gründlich, führt aber dazu, dass keine einzelne Zahl eine Maßnahme auslöst. Beschränken Sie sich pro Ebene auf die Kennzahlen, zu denen Sie im Abweichungsfall auch eine Handlungsoption haben. Alles andere gehört in eine Detailauswertung auf Abruf.
Der zweite Fehler ist die Vermischung von Prognose und Ziel. Eine gewichtete Pipeline-Prognose ist eine Schätzung auf Basis historischer Übergangsquoten. Ein Ziel ist eine Vorgabe. Wenn beide in derselben Spalte stehen, entsteht Druck, die Prognose optimistisch zu setzen, und die Steuerungsgröße wird unbrauchbar.
Der dritte Fehler ist die Verwendung fremder Vergleichswerte. Übergangsquoten hängen stark von Leadquelle, Preissegment, Projektlage und Beratungstiefe ab. Ein Wert aus einem anderen Unternehmen sagt über die eigene Situation wenig aus und erzeugt entweder falsche Beruhigung oder unbegründete Alarmstimmung. Nutzen Sie die eigene Historie als Referenz.
Der vierte Fehler ist fehlende Rückkopplung an die operative Ebene. Wenn Berater und Partner nur Daten liefern, aber keine Auswertung zurückbekommen, sinkt die Erfassungsdisziplin. Eine kurze, verständliche Rückspiegelung der eigenen Zahlen erhöht die Datenqualität nachweislich mehr als jede Vorgabe.
Der fünfte Fehler ist die Trennung von Vertriebs- und Abrechnungsdaten. Wenn Beurkundungen im CRM und Provisionen in der Buchhaltung getrennt geführt werden, entstehen zwei Wahrheiten. Eine durchgängige Kette von der Reservierung über die Beurkundung bis zur Abrechnung vermeidet den größten Teil der Abstimmungsarbeit am Monatsende.
- Zu viele Kennzahlen ohne zugeordnete Handlungsoption
- Prognose und Zielvorgabe in derselben Darstellung
- Fremde Benchmarks statt eigener historischer Übergangsquoten
- Keine Rückspiegelung der Auswertungen an die erfassende Ebene
- Getrennte Datenhaltung zwischen Vertrieb und Provisionsabrechnung
- Schwellenwerte, die erst nach Betrachtung der Daten festgelegt werden
FAQ: Häufige Fragen
Welche Kennzahlen sind im Immobilienvertrieb die wichtigsten?
Ein tragfähiges Minimum sind fünf Größen: Erstkontaktzeit, Qualifizierungsquote, gewichtetes Pipelinevolumen mit Pipeline-Deckung, Reservierungsverfallquote und Durchlaufzeit vom qualifizierten Erstgespräch bis zur Beurkundung. Bauträger ergänzen den Abverkaufsgrad je Projekt. Wichtiger als die Auswahl ist, dass jede Kennzahl eine schriftliche Definition und einen Verantwortlichen hat.
Wie berechne ich die Abschlussquote im Immobilienvertrieb korrekt?
Es gibt keine allgemeingültige Formel, sondern eine Definitionsentscheidung. Üblich sind drei Varianten: Abschlüsse gegen alle eingehenden Anfragen, gegen alle qualifizierten Interessenten oder gegen alle geführten Beratungsgespräche. Legen Sie eine Variante als Leitkennzahl fest, dokumentieren Sie Zähler und Nenner und verwenden Sie diese Definition unverändert über alle Ebenen hinweg.
Wie viele Status sollte eine Vertriebspipeline haben?
Fünf bis acht Status reichen im Neubau- und Kapitalanlagevertrieb in der Regel aus. Jeder zusätzliche Status muss sich durch eine eigene Steuerungsentscheidung rechtfertigen, sonst erhöht er nur den Pflegeaufwand. Entscheidend ist weniger die Anzahl als die Eindeutigkeit der Eintrittskriterien und die Regelung, wann ein Vorgang wieder herausfällt.
Wie unterscheidet sich Vertriebscontrolling bei Bauträgern vom Maklergeschäft?
Bauträger arbeiten mit einem endlichen, projektgebundenen Angebot. Deshalb kommen einheitenbezogene Kennzahlen hinzu: Abverkaufsgrad, Abverkaufsgeschwindigkeit, Restbestandsstruktur und Preisrealisierungsquote. Zusätzlich muss die Pipeline mit den Einheiten verknüpft sein, damit mehrere Interessenten auf dieselbe Einheit nicht als additives Volumen gezählt werden.
Wie steuere ich externe Vertriebspartner mit Kennzahlen, wenn ich deren Aktivitäten nicht sehe?
Definieren Sie eine klare Übergabestelle, ab der ein Vorgang in Ihrem System sichtbar sein muss. Ab diesem Punkt sind Aktivierungsquote, Einreichungsvolumen, Qualifizierungsquote je Partner und Provisionsaufwand je Abschluss messbar. Auf Aktivitätsdaten vor der Übergabe haben Sie in der Regel keinen Zugriff, und der Versuch, sie einzufordern, belastet die Partnerbeziehung meist mehr, als er nützt.
Wie lange dauert die Einführung eines Kennzahlensystems?
Rechnen Sie mit rund drei Monaten bis zum ersten belastbaren Regelbericht: Definitionsarbeit, Systemabbildung, Datenbereinigung und eine Beobachtungsphase ohne Konsequenzen. Empirisch belastbare Gewichtungen für die Pipeline-Prognose sind meist erst nach etwa sechs Monaten möglich, weil vorher zu wenige Statusübergänge dokumentiert sind.
Darf ich Aktivitätskennzahlen einzelner Mitarbeitender auswerten?
Personenbezogene Auswertungen berühren die Datenschutz-Grundverordnung und je nach Konstellation auch Fragen der betrieblichen Mitbestimmung. Je granularer die Zuordnung zu einer Person, desto sorgfältiger ist die Rechtsgrundlage zu prüfen. Aggregierte Team-Sichten sind häufig der pragmatischere Weg. Eine verbindliche Einschätzung im Einzelfall gehört in fachkundige rechtliche Prüfung.
Reicht Excel für das Vertriebscontrolling aus?
Für einen einzelnen Projektvertrieb mit wenigen Beteiligten kann eine Tabelle als Zwischenlösung funktionieren. Sobald mehrere Projekte, externe Partner, Reservierungsfristen und Provisionsabrechnungen zusammenkommen, entstehen Abstimmungsaufwand und Versionskonflikte. Zudem fehlen automatische Statuswechsel, Zugriffsprotokolle und rollenbezogene Sichtbarkeiten, die für belastbare und datenschutzkonforme Auswertungen notwendig sind.
Fazit
Vertriebscontrolling im Immobilienvertrieb scheitert selten an fehlenden Kennzahlen und fast immer an fehlenden Definitionen. Wer Statuslogik, Eintrittskriterien und Auswertungsregeln schriftlich festlegt, bevor das erste Dashboard entsteht, spart sich monatelange Diskussionen über die Richtigkeit von Zahlen und kann stattdessen über Maßnahmen sprechen.
Das Drei-Schichten-Modell aus Aktivität, Pipeline und Ergebnis liefert dafür einen tragfähigen Rahmen. Aktivitätskennzahlen zeigen früh, ob genug Bewegung im System ist. Pipelinekennzahlen beschreiben Substanz, Struktur und Blockaden. Ergebniskennzahlen kalibrieren beide Schichten und machen die Rückrechnung vom Ziel zum notwendigen Leadzufluss möglich. Entscheidend ist, dass die Übergangsquoten aus den eigenen Daten stammen und regelmäßig überprüft werden.
Für Bauträger und Vertriebe mit Partnerorganisation kommen einheiten- und partnerbezogene Größen hinzu, die sich nur mit einer durchgängigen Datenbasis abbilden lassen. Wo Pipeline, Einheitenverwaltung und Provisionsabrechnung in getrennten Systemen liegen, entsteht Abstimmungsaufwand, der jeden Steuerungsgewinn wieder aufzehrt. Die Investition in eine gemeinsame Datenbasis ist deshalb keine IT-Entscheidung, sondern eine Voraussetzung für belastbares Controlling.
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- Reporting & Kennzahlen: Zeigt, wie Statusübergänge, Pipeline-Gewichtungen und Projektkennzahlen ohne Excel-Nacharbeit ausgewertet werden.
- CRM von MyInvest Pro: Grundlage der Aktivitätsschicht: Kontaktversuche, Termine und Statuswechsel entstehen im laufenden Prozess.
- Projekt- und Einheitenverwaltung: Verknüpft Vorgänge mit konkreten Einheiten und macht Abverkaufsgrad sowie Mehrfachbelegungen sichtbar.
- Vertriebspartner-Verwaltung: Liefert Aktivierungs-, Qualitäts- und Ergebniskennzahlen je Partner ohne manuelle Zuordnung.
- Provisionsabrechnung: Schließt die Kette von der Beurkundung bis zur Abrechnung und macht Provisionsaufwand je Abschluss auswertbar.
- Live-Demo: Anhand Ihrer Projektstruktur durchgespieltes Steuerungsmodell statt allgemeiner Produktvorführung.
Externe Quellen
- Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Primärquelle für Zweckbindung, Erforderlichkeit und Speicherdauer bei personenbezogenen Auswertungen.
- Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV): Regelt Pflichten im Bauträger- und Maklergeschäft, die sich auf messbare Prozessschritte auswirken.
- Geldwäschegesetz (GwG): Grundlage für Dokumentationspflichten je Vorgang, deren Erfüllungsgrad als Prozesskennzahl abbildbar ist.
