Ein CRM Lastenheft mit Abnahmekriterien beschreibt, was eine Vertriebssoftware in Ihrem Alltag leisten muss, bevor Sie mit einem Anbieter sprechen. Es hält fest, welcher Geschäftsfall abgedeckt werden soll, für welche Rolle, mit welcher Priorität und woran Sie später erkennen, ob die Anforderung erfüllt ist. Damit wird aus einer Wunschliste ein Prüfdokument, das Anbieter vergleichbar beantworten müssen.
Eine unscharfe Frage erzeugt eine unscharfe Antwort. „Kann Ihr System Reservierungen?“ beantwortet jeder Anbieter mit Ja. Aussagekräftig wird die Antwort erst, wenn feststeht, wer reserviert, wie lange die Reservierung gilt, was bei Ablauf passiert und wie ein zweiter Vertriebspartner daran gehindert wird, dieselbe Einheit zu belegen.
Dieser Artikel liefert eine kopierbare Vorlage mit sechs Spalten, erklärt die Unterscheidung zwischen Muss-, Kann- und Ausschlusskriterien und zeigt ein ausgefülltes Beispiel entlang der Kette Kontakt, Einheit, Reservierung. Die Struktur eignet sich als CRM Anforderungen Vorlage für Bauträger ebenso wie als Maklersoftware Lastenheft für Vertriebe mit freien Partnern. Die anschließende Prüfung in der Demo baut auf den hier definierten Nachweisen auf.
Was gehört in ein CRM Lastenheft mit Abnahmekriterien?
In ein CRM Lastenheft mit Abnahmekriterien gehören je Anforderung sechs Angaben: der Geschäftsfall, die handelnde Rolle, die Priorität als Muss oder Kann, die Kennzeichnung als Ausschlusskriterium, der Nachweis, mit dem die Erfüllung geprüft wird, und der Verantwortliche, der das Ergebnis bestätigt. Fehlt eine dieser Angaben, lässt sich die Anforderung nicht eindeutig abnehmen.
Der Unterschied zu einer klassischen Funktionsliste liegt im Nachweis. Eine Funktionsliste fragt, ob etwas vorhanden ist. Ein Lastenheft mit Abnahmekriterien fragt, wie Sie sich davon überzeugen. Damit entscheidet nicht die Selbstauskunft des Anbieters, sondern eine Handlung, die Ihr Team in einer Testumgebung nachvollzieht. Das macht Antworten mehrerer Anbieter vergleichbar, auch wenn deren Oberflächen und Begriffe voneinander abweichen.
Ergänzend empfiehlt sich ein kurzer Kopfteil mit Unternehmensprofil, Mengengerüst und Rahmenbedingungen: Zahl der Nutzer, Zahl paralleler Projekte, vorhandene Systeme und gewünschter Starttermin. Diese Werte sind Ihre eigenen Planungsgrößen und sollten als solche gekennzeichnet sein, damit jeder Anbieter Lizenz- und Einführungsaufwand auf derselben Grundlage kalkuliert.
- Kopfteil: Unternehmensprofil, Mengengerüst, Systemlandschaft, Zeitplan
- Anforderungsteil: eine Zeile je Anforderung mit den sechs Spalten
- Prüfteil: Testdaten, Testrollen und Reihenfolge der Nachweise
- Antwortteil: Spalte für Anbieterantwort, Fundstelle und Einschränkungen
- Änderungsprotokoll: Datum, Änderung, Freigabe
Warum sollte das Lastenheft vor dem ersten Anbietergespräch fertig sein?
Weil jede Demo die Wahrnehmung prägt. Wer zuerst Präsentationen sieht und danach Anforderungen schreibt, übernimmt unbemerkt Begriffe und Schwerpunkte des ersten Anbieters. Ein vorher abgestimmtes Lastenheft legt fest, was geprüft wird, und verhindert, dass eindrucksvolle Nebenfunktionen die Bewertung der Kernprozesse überlagern.
Hinzu kommt die interne Abstimmung. Vertriebsleitung, Innendienst, Buchhaltung und Datenschutz haben unterschiedliche Erwartungen an ein CRM. Solange diese Erwartungen nicht schriftlich priorisiert sind, wird jede Anbieterpräsentation zur Diskussion darüber, was eigentlich gebraucht wird. Das bindet Termine, die ohne klare Fragen wenig Erkenntnis liefern, und verschiebt Entscheidungen in spätere Phasen, in denen Änderungen aufwendiger werden.
Praktisch heißt das: Anforderungen sammeln, priorisieren, Nachweise formulieren und intern freigeben, erst dann Anbieter anschreiben. Die Freigabe muss nicht perfekt sein. Sinnvoll ist ein Stand, bei dem alle Muss- und Ausschlusskriterien feststehen und die Kann-Anforderungen grob sortiert sind. Spätere Ergänzungen sind möglich, sollten aber mit Datum im Änderungsprotokoll stehen und allen Anbietern gleichzeitig mitgeteilt werden.
Praxis-Tipp
Gleicher Stand für alle Anbieter
Versenden Sie das Lastenheft mit Versionsnummer und Datum. Änderungen erhalten alle Anbieter gleichzeitig; legen Sie dafür eine gemeinsame neue Antwortfrist fest. So beantworten alle denselben Stand unter vergleichbaren Bedingungen.
In der Software
Jeder Vorgang steht an seiner Stufe
Board, Tabelle und Zeitstrahl zeigen dieselben Deals — wer wo hängt, sieht man ohne Rückfrage.


Bildschirmaufnahme aus der App, Beispieldaten.
CRM ansehenDie sechs Spalten der Vorlage im Detail
Die Vorlage ist bewusst schmal gehalten. Jede Spalte beantwortet eine Frage, die später in der Prüfung gestellt wird. Kopieren Sie die Spaltenköpfe in eine Tabellenkalkulation und ergänzen Sie rechts davon die Antwortspalten für die Anbieter. Eine Zeile entspricht genau einer prüfbaren Anforderung; wer zwei Anforderungen in eine Zeile schreibt, kann später nur beide gemeinsam als erfüllt oder nicht erfüllt werten.
Der Geschäftsfall beschreibt den Anlass aus Sicht des Vertriebs, nicht die Funktion. „Interessent fragt über ein Portal nach einer Zweizimmerwohnung“ ist ein Geschäftsfall, „Portalschnittstelle“ ist keiner. Die Rolle benennt, wer handelt: Innendienst, angestellter Verkäufer, freier Vertriebspartner, Vertriebsleitung oder Buchhaltung. Daraus ergeben sich später die Testkonten, mit denen der Nachweis geführt wird.
Nachweis und Verantwortlicher schließen die Zeile. Der Nachweis beschreibt Prüfhandlung und erwartetes Ergebnis. Der Verantwortliche ist eine Person aus Ihrem Haus, die den Geschäftsfall kennt und das Ergebnis bestätigt. Das ist nicht der Anbieter und idealerweise auch nicht das Projektteam allein, sondern die Fachseite, die später mit dem System arbeitet.
Spaltenaufbau der Lastenheft-Vorlage
| Spalte | Inhalt | Prüffrage an die Zeile |
|---|---|---|
| Geschäftsfall | Anlass aus Vertriebssicht in einem Satz | Ist ein realer Ablauf beschrieben, keine Funktion? |
| Rolle | Handelnde Person oder Gruppe | Lässt sich dafür ein Testkonto anlegen? |
| Anforderung (Muss/Kann) | Priorität der Anforderung | Würde der Vertrieb ohne sie falsch oder gar nicht arbeiten? |
| Ausschlusskriterium | Ja oder nein | Scheidet ein Anbieter bei Nichterfüllung sofort aus? |
| Nachweis | Prüfhandlung und erwartetes Ergebnis | Kann ein Dritter das Ergebnis beobachten? |
| Verantwortlicher | Name und Funktion im eigenen Haus | Kennt die Person den Ablauf aus eigener Arbeit? |
Wie unterscheidet man Muss-, Kann- und Ausschlusskriterien?
Eine Muss-Anforderung ist für den Betrieb notwendig, kann aber durch eine schriftlich zugesagte Nachbesserung erfüllt werden. Eine Kann-Anforderung verbessert den Ablauf, ist aber verzichtbar. Ein Ausschlusskriterium ist eine Muss-Anforderung, deren Nichterfüllung den Anbieter sofort ausscheiden lässt, unabhängig von allen anderen Ergebnissen.
Die Grenze zwischen Muss und Ausschluss ist die wichtigste Entscheidung im Lastenheft. Sinnvoll ist eine kleine Zahl von Ausschlusskriterien, und zwar Bedingungen, die sich weder durch Zusatzmodule noch durch Schulung beheben lassen. Naheliegende Kandidaten im Immobilienvertrieb sind die Sperre gegen Doppelreservierungen, die getrennte Datensicht zwischen Vertriebspartnern und der vollständige Datenexport bei Vertragsende.
Kann-Anforderungen verdienen eine eigene Gewichtung, aber keine Übergewichtung. Wer zu viele Punkte als Muss einstuft, findet am Ende keinen Anbieter, der alles erfüllt, und muss die eigenen Regeln nachträglich aufweichen. Prüfen Sie jede Muss-Einstufung mit einer einfachen Frage: Würde der Vertrieb am ersten Tag ohne diese Anforderung stillstehen oder falsch arbeiten? Lautet die Antwort nein, gehört sie in die Kann-Liste.
- 1Alle Anforderungen zunächst ohne Priorität sammeln.
- 2Ausschlusskriterien bestimmen: Was macht den Betrieb unmöglich oder angreifbar?
- 3Muss-Anforderungen festlegen und jede mit der Stillstand-Frage prüfen.
- 4Übrige Punkte als Kann einstufen und intern gewichten.
- 5Einstufung durch die Verantwortlichen der Fachbereiche freigeben lassen.
Wie formuliert man ein prüfbares Abnahmekriterium?
Ein prüfbares Abnahmekriterium nennt drei Dinge: Ausgangslage, Handlung und beobachtbares Ergebnis. Beispiel: Einheit 2.04 ist reserviert; ein zweiter Vertriebspartner versucht, sie zu reservieren; das System lehnt ab und zeigt den bestehenden Status an. Fehlt einer der drei Teile, bleibt das Kriterium Auslegungssache.
Unbrauchbar sind Formulierungen wie „benutzerfreundlich“, „flexibel“ oder „übersichtlich“. Sie beschreiben Eindrücke, keine Ergebnisse. Ist Ihnen Bedienbarkeit wichtig, übersetzen Sie sie in eine Handlung: Annahme: Eine Innendienstkraft legt nach einer Einweisung von 30 Minuten einen Kontakt mit Einheitenwunsch an, ohne Hilfe zu benötigen. Die Einweisungsdauer legen Sie selbst fest und dokumentieren sie in der Zeile.
Achten Sie darauf, dass das Ergebnis unabhängig vom Anbieter beobachtbar ist. „Das System verhindert Doppelreservierungen“ ist eine Behauptung. „Der zweite Reservierungsversuch wird abgelehnt, die Einheit bleibt dem ersten Partner zugeordnet, der Versuch erscheint im Protokoll“ ist ein Nachweis, den Sie in der Demo oder einer Testumgebung selbst auslösen können.
- Schwach: „Reservierungen sind möglich.“ Prüfbar: „Nach Ablauf der festgelegten Frist entsteht eine Aufgabe für den Innendienst; die Einheit bleibt bis zu dessen dokumentierter Entscheidung reserviert.“
- Schwach: „Rechteverwaltung vorhanden.“ Prüfbar: „Partner A sieht keinen Kontakt von Partner B, weder in Liste noch Suche noch Export.“
- Schwach: „Datenexport möglich.“ Prüfbar: „Vollständiger Export aller Kontakte, Einheiten und Reservierungen in einem offenen Format mit Feldbeschreibung.“
- Schwach: „Dubletten werden erkannt.“ Prüfbar: „Zweiter Kontakt mit identischer E-Mail-Adresse löst vor dem Speichern einen Hinweis aus.“
Nachweise direkt im System prüfen
Prüfen Sie die Kette Kontakt, Einheit, Reservierung mit Ihren eigenen Testfällen in einer Live-Demo von MyInvest Pro.
MyInvest Pro
Ausgefülltes Beispiel: Kontakt, Einheit, Reservierung
Das folgende Beispiel zeigt einen Ausschnitt eines ausgefüllten Lastenhefts für einen Vertrieb mit Innendienst und freien Vertriebspartnern. Die Kette Kontakt, Einheit, Reservierung eignet sich als Einstieg, weil hier drei Datenobjekte zusammenwirken und typische Konflikte sichtbar werden: doppelte Kontakte, gleichzeitige Zugriffe auf dieselbe Einheit und Reservierungen, die niemand aktiv beendet.
Die Kennungen folgen einem einfachen Schema: K für Kontakt, E für Einheit, R für Reservierung, P für Partnerrechte. So lassen sich Anforderungen im Antwortbogen des Anbieters und im späteren Testprotokoll eindeutig zuordnen. Die Reservierungsfrist von 14 Tagen ist eine Annahme für dieses Beispiel; setzen Sie Ihre eigene, vertraglich vereinbarte Frist ein.
Zwei der sieben Zeilen sind Ausschlusskriterien, weil eine Doppelvergabe und eine offene Partnersicht den Vertrieb unmittelbar beschädigen. Die PDF-Bestätigung ist nur Kann, weil sie sich übergangsweise außerhalb des Systems erzeugen lässt. Diese Begründung gehört in eine Kommentarspalte, damit spätere Leser die Einstufung nachvollziehen können.
Beispiel-Ausschnitt: Kontakt, Einheit, Reservierung
| Geschäftsfall | Rolle | Anforderung (Muss/Kann) | Ausschlusskriterium | Nachweis | Verantwortlicher |
|---|---|---|---|---|---|
| K-01: Portalanfrage als Kontakt erfassen | Innendienst | Muss | Nein | Zweiter Kontakt mit gleicher E-Mail-Adresse löst vor dem Speichern einen Hinweis aus | Leitung Innendienst |
| K-04: Einwilligung am Kontakt dokumentieren | Innendienst | Muss | Nein | Zeitpunkt, Quelle und Wortlaut der Einwilligung sind am Kontakt abrufbar | Datenschutzverantwortliche Stelle |
| E-02: Passende freie Einheit suchen | Vertriebspartner | Muss | Nein | Filter nach Zimmerzahl und Status zeigt nur freie Einheiten freigegebener Projekte | Vertriebsleitung |
| R-01: Dieselbe Einheit gleichzeitig reservieren | Zwei Vertriebspartner | Muss | Ja | Zweiter Versuch wird abgelehnt, Einheit bleibt beim ersten Partner, Versuch steht im Protokoll | Vertriebsleitung |
| R-03: Reservierungsfrist endet ohne Kaufentscheidung | Innendienst | Muss | Nein | Nach 14 Tagen (Annahme) erhält der Innendienst eine Aufgabe; die Einheit bleibt bis zur dokumentierten Entscheidung reserviert. | Leitung Innendienst |
| R-05: Reservierungsbestätigung versenden | Vertriebspartner | Kann | Nein | PDF mit Einheit, Preisstand und Frist wird aus der Reservierung erzeugt | Vertriebsleitung |
| P-01: Eigene Kontakte bearbeiten | Freier Vertriebspartner | Muss | Ja | Partner A findet Kontakte von Partner B weder in Liste, Suche noch Export | Geschäftsführung |
Praxisbeispiel: Anbieterantworten gegen das Lastenheft auswerten
Annahme: Ihr Lastenheft umfasst 32 Anforderungen, davon 4 Ausschlusskriterien, 12 Muss- und 16 Kann-Anforderungen. Drei Anbieter haben den Antwortbogen ausgefüllt und die Nachweise in einer Demo vorgeführt. Die Auswertungsregel lautet: Jedes nicht erfüllte Ausschlusskriterium führt zum Ausscheiden. Nicht erfüllte Muss-Anforderungen sind nur mit schriftlich zugesagter Nachbesserung samt Termin zulässig.
Anbieter A erfüllt alle 4 Ausschlusskriterien, 11 von 12 Muss-Anforderungen und 10 von 16 Kann-Anforderungen; für die offene Muss-Anforderung liegt eine Zusage mit Termin vor. Anbieter B erfüllt 15 von 16 Kann-Anforderungen, scheitert aber an R-01, weil die Doppelreservierung nur mit einer Warnung, nicht mit einer Sperre beantwortet wird. Anbieter C erfüllt alle Ausschlusskriterien, alle 12 Muss-Anforderungen und 8 von 16 Kann-Anforderungen.
Rechnung: Anbieter B scheidet trotz der höchsten Kann-Quote von 15 / 16 = 93,75 % aus. Anbieter A kommt auf 10 / 16 = 62,5 %, Anbieter C auf 8 / 16 = 50 %. Ergebnis: A und C bleiben in der engeren Wahl; die offene Muss-Anforderung von A wird in der Vertragsverhandlung mit Termin und Nachweis verknüpft. Die Kann-Quote dient erst danach als nachrangiges Unterscheidungsmerkmal.
32
Anforderungen im Lastenheft
Annahme im Praxisbeispiel
4
Ausschlusskriterien
Annahme: Ausscheiden bei Nichterfüllung
93,75 %
↓Kann-Quote Anbieter B
15 von 16, dennoch ausgeschieden
62,5 %
↑Kann-Quote Anbieter A
10 von 16, engere Wahl
Wer ist im Lastenheft für welche Anforderung verantwortlich?
Verantwortlich ist die Fachperson, die den Geschäftsfall im Alltag ausführt oder verantwortet: der Innendienst für Kontakterfassung, die Vertriebsleitung für Einheiten und Reservierungen, die Buchhaltung für Provisionsdaten, die datenschutzverantwortliche Stelle für Einwilligungen und Löschung. Das Projektteam koordiniert, bestätigt Fachergebnisse aber nicht allein.
Die Zuordnung hat einen praktischen Grund. Wer einen Ablauf täglich ausführt, erkennt in der Demo Abweichungen, die einer Projektleitung entgehen: eine fehlende Pflichtangabe, einen unnötigen Zwischenschritt, eine Statusbezeichnung, die im eigenen Haus anders verstanden wird. Diese Beobachtungen gehören als Kommentar in die Zeile und entscheiden mit darüber, ob der Nachweis als erbracht gilt.
Sinnvoll ist, je Verantwortlichem eine Vertretung zu benennen und die Prüftermine früh zu blocken. Sind die Verantwortlichen während der Demophase nicht verfügbar, nehmen am Ende Personen ab, die die Abläufe nur vom Hörensagen kennen. Damit verliert ein sauber geschriebenes Lastenheft genau in der Phase an Wert, für die es geschrieben wurde.
- Innendienst: Kontaktanlage, Dubletten, Aufgaben
- Vertriebsleitung: Einheitenstatus, Reservierungen, Partnerfreigaben
- Buchhaltung: Provisionsgrundlagen und Exporte
- Datenschutz: Einwilligungen, Löschung, Auftragsverarbeitung
- Geschäftsführung: Ausschlusskriterien und Endentscheidung
Experten-Tipp
Vier-Augen-Nachweis bei Ausschlusskriterien
Lassen Sie Ausschlusskriterien von zwei Personen prüfen: der fachlich verantwortlichen und einer, die nicht an der Formulierung beteiligt war. So fallen missverständliche Nachweise auf, bevor ein Anbieter daran zu Unrecht scheitert oder durchrutscht.
Datenschutz, Datenexport und Vertragsbezug
Ein CRM im Immobilienvertrieb verarbeitet personenbezogene Daten von Interessenten und Käufern. Verarbeitet der Anbieter diese Daten in Ihrem Auftrag, ist nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO ein Vertrag mit festgelegten Mindestinhalten erforderlich. Nach Art. 28 Abs. 3 Satz 2 lit. g muss dieser die Löschung oder Rückgabe sämtlicher personenbezogener Daten nach Ende der Leistung nach Wahl des Verantwortlichen sowie die Löschung vorhandener Kopien vorsehen; gesetzliche Speicherpflichten bleiben vorbehalten.
Für das Lastenheft folgt daraus eine prüfbare Anforderung: Der Rückgabeweg sollte vor Vertragsschluss vorgeführt sein. Formulieren Sie den Nachweis so, dass ein vollständiger Export aller Kontakte, Einheiten, Reservierungen und Verlaufseinträge in einem offenen Format samt Feldbeschreibung gezeigt wird. Ob die technischen und organisatorischen Maßnahmen nach Art. 32 Abs. 1 DSGVO angemessen sind, prüfen Sie anhand der Anbieterunterlagen mit Ihrer datenschutzverantwortlichen Stelle.
Die Abnahmekriterien dieses Lastenhefts sind Prüfkriterien für Auswahl und Einführung. Ob sie vertraglich eine Abnahme im Sinne des § 640 Abs. 1 BGB auslösen, hängt von Vertragstyp und Formulierung ab und ist eine Frage für Ihre Rechtsberatung. Sinnvoll ist in jedem Fall, das Lastenheft mit Versionsstand als Anlage zum Angebot zu verlangen, damit die Zusagen des Anbieters später nachvollziehbar bleiben.
- Entwurf des Auftragsverarbeitungsvertrags nach Art. 28 Abs. 3 DSGVO liegt vor
- Rückgabe und Löschung nach Vertragsende sind als Ablauf beschrieben
- Export wurde mit Testdaten vorgeführt, nicht nur zugesagt
- Unterlagen zu technischen und organisatorischen Maßnahmen liegen vor
- Lastenheft mit Versionsnummer ist Anlage des Angebots
Vom Lastenheft zur Demo-Prüfung
Ist das Lastenheft freigegeben, folgt die Anbieteransprache mit einheitlichem Antwortbogen. Erst danach beginnen die Demos, und zwar nicht als Präsentation des Anbieters, sondern als Prüfung Ihrer Nachweise. Die Nachweisspalte wird dafür zum Drehbuch: Welche Testrolle meldet sich an, welche Daten liegen vor, welche Handlung wird ausgeführt, welches Ergebnis wird erwartet.
Für die Testdaten empfiehlt sich ein kleiner, erfundener Bestand: einige Kontakte, ein Projekt mit wenigen Einheiten, zwei Vertriebspartner-Konten. Nutzen Sie für E-Mail-Adressen die für Dokumentation reservierten Domains wie example.com, damit keine echten Postfächer angeschrieben werden. Echte Kundendaten gehören nicht in eine Anbieterdemo, solange kein Auftragsverarbeitungsvertrag besteht.
Wie Sie aus den Nachweisen konkrete Demo-Testfälle mit Ablaufreihenfolge und Bewertungsbogen bauen, ist ein eigener Arbeitsschritt, der an dieses Lastenheft anschließt. Nach der Auswahl dient dasselbe Dokument als Grundlage der Einführung: Jede abgenommene Anforderung wird zum Prüfpunkt im Einführungsplan, jede zugesagte Nachbesserung zum Termin mit Verantwortlichem.
- 1Lastenheft intern freigeben und versionieren.
- 2Anbieter mit Antwortbogen und Frist anschreiben.
- 3Antworten zu Ausschlusskriterien vorab auswerten.
- 4Demos als Nachweisprüfung mit Testrollen durchführen.
- 5Ergebnisse je Zeile durch den Verantwortlichen bestätigen lassen.
- 6Offene Muss-Anforderungen mit Termin in die Vertragsverhandlung übernehmen.
Praxis-Tipp
Drehbuch vorab schicken
Senden Sie den Anbietern die Nachweise einige Tage vor der Demo. Wer die Prüfhandlung kennt, bereitet eine passende Testumgebung vor, und Sie vermeiden Termine, in denen statt Ihrer Abläufe allgemeine Folien gezeigt werden.
FAQ: Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lastenheft und Pflichtenheft?
Das Lastenheft beschreibt aus Ihrer Sicht, was die Software leisten soll. Das Pflichtenheft beschreibt aus Sicht des Anbieters, wie er diese Anforderungen umsetzt. Für die Auswahl eines Standard-CRM genügt in vielen Fällen das Lastenheft mit Antwortbogen; ein Pflichtenheft entsteht eher bei individuellen Anpassungen.
Wie viele Anforderungen sollte ein CRM-Lastenheft enthalten?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Sinnvoll ist ein Umfang, den Ihre Verantwortlichen in den Demos tatsächlich prüfen können. Im Praxisbeispiel dieses Artikels sind es als Annahme 32 Zeilen; entscheidend ist, dass jede Zeile einen eigenen Nachweis hat.
Wie viele Ausschlusskriterien sind sinnvoll?
Empfehlenswert sind wenige, harte Bedingungen, die sich nicht durch Zusatzmodule oder Schulung beheben lassen. Wer zu viele Ausschlusskriterien setzt, scheidet unter Umständen alle Anbieter aus. Prüfen Sie jedes Kriterium darauf, ob der Vertrieb ohne es falsch oder gar nicht arbeiten könnte.
Darf man Anbietern unterschiedliche Versionen des Lastenhefts schicken?
Das schadet der Vergleichbarkeit. Alle Anbieter sollten dieselbe Version mit derselben Frist erhalten. Änderungen gehen mit Datum an alle gleichzeitig und werden im Änderungsprotokoll festgehalten.
Eignet sich die Vorlage auch als Maklersoftware Lastenheft?
Ja. Für Maklerbüros ändern sich vor allem die Geschäftsfälle, etwa Objektaufnahme, Exposéversand und Eigentümerkommunikation. Die sechs Spalten und die Logik aus Muss, Kann und Ausschluss bleiben gleich.
Welche Testdaten nutzt man in der Demo?
Einen kleinen, erfundenen Bestand mit Kontakten, einem Projekt, wenigen Einheiten und mehreren Rollen. Für E-Mail-Adressen eignen sich die reservierten Beispieldomains. Echte Kundendaten gehören nicht in eine Demo ohne Auftragsverarbeitungsvertrag.
Wer entscheidet am Ende über den Anbieter?
Die Geschäftsführung oder ein benanntes Entscheidungsgremium, auf Grundlage der bestätigten Nachweise. Das Lastenheft ersetzt die Entscheidung nicht, macht sie aber begründbar und für Dritte nachvollziehbar.
Fazit
Ein CRM Lastenheft mit Abnahmekriterien verschiebt die Softwareauswahl von Eindrücken zu Nachweisen. Die sechs Spalten zwingen dazu, jeden Wunsch einem Geschäftsfall, einer Rolle und einer Person zuzuordnen, die das Ergebnis bestätigt. Die Trennung von Muss, Kann und Ausschluss sorgt dafür, dass viele erfüllte Nebenpunkte eine Lücke im Kernprozess nicht überdecken.
Beginnen Sie mit der Kette Kontakt, Einheit, Reservierung, formulieren Sie für jede Zeile Ausgangslage, Handlung und Ergebnis, und geben Sie das Dokument intern frei, bevor Sie den ersten Anbieter ansprechen. Danach werden die Nachweise zu Demo-Testfällen und nach der Entscheidung zu Prüfpunkten der Einführung. So bleibt ein einziges Dokument vom ersten Anschreiben bis zum Echtbetrieb die gemeinsame Grundlage.
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- Warum Standard-CRMs im Immobilienvertrieb scheitern: Erklärt, an welchen Immobilienabläufen allgemeine CRM-Systeme an Grenzen stoßen und welche Anforderungen sich daraus für Ihr Lastenheft ergeben.
- Projekt- und Einheitenverwaltung: Beschreibt, wie Projekte, Einheiten und Reservierungsstatus in MyInvest Pro zusammenhängen.
- Sicherheit & DSGVO: Informationen zu Datenschutz und Sicherheit, die Sie für die Prüfung der Datenschutzanforderungen heranziehen können.
- Live-Demo: Vereinbaren Sie eine Demo, in der Sie die Nachweise aus Ihrem Lastenheft selbst prüfen.
Externe Quellen
- DSGVO — amtlicher Text bei EUR-Lex: Amtlicher Wortlaut von Art. 28 und Art. 32 DSGVO zu Auftragsverarbeitung und Sicherheit der Verarbeitung.
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Wortlaut des § 640 BGB zur Abnahme für die vertragliche Einordnung der Abnahmekriterien.
- IANA — reservierte Beispieldomains: Erläutert die für Dokumentation reservierten Domains wie example.com, geeignet für Testdaten in Demos.

