Leadverteilung Immobilienvertrieb: Hinter diesem Begriff steht die Frage, welcher Berater eine neue Anfrage zuerst erhält und nach welcher Regel. Solange nur wenige Personen im Vertrieb arbeiten, lässt sich das per Zuruf klären. Sobald mehrere Berater, mehrere Projekte und externe Vertriebspartner beteiligt sind, entstehen ohne feste Regel Streitfälle: Wer hatte die Anfrage zuerst, wer war im Urlaub, und warum lag ein Interessent tagelang ohne Rückruf im Postfach?
Dieser Artikel vergleicht drei Grundmodelle der Erstzuweisung: die reihum erfolgende Verteilung, die kapazitätsabhängige Verteilung und die projektbezogene Zuteilung. Für jedes Modell finden Sie einen durchgerechneten Zuteilungsfall mit offengelegten Annahmen, sodass Sie die Ergebnisse mit eigenen Zahlen nachvollziehen können. Eine Entscheidungsmatrix fasst zusammen, welches Modell unter welchen Bedingungen trägt.
Zwei Sonderfälle entscheiden im Alltag über die Qualität einer Verteilregel: Abwesenheiten und die Rückgabe unbearbeiteter Anfragen. Beide behandelt der Artikel mit Fristen als Gestaltungsempfehlung und mit einem durchgerechneten Monatsbeispiel. Nicht Thema sind die Bewertung von Leads nach Abschlusswahrscheinlichkeit und die Auswertung von Anfragequellen; hier geht es ausschließlich um die Frage, wer eine Anfrage bearbeitet.
Was gehört zu einer nachvollziehbaren Erstzuweisung?
Eine nachvollziehbare Erstzuweisung legt fest, welcher Berater eine neue Anfrage bearbeitet, nach welcher Regel er sie erhalten hat und bis wann der Erstkontakt erfolgen muss. Diese Angaben werden für jede Anfrage im CRM gespeichert, damit jede Zuweisung später ohne Rückfragen rekonstruierbar ist.
Der Begriff Lead Routing beschreibt denselben Vorgang aus Systemsicht: Eine Anfrage kommt über ein Formular, ein Portal, eine E-Mail oder einen Anruf herein und wird nach festgelegten Bedingungen einer Person oder einem Team zugeordnet. Ein Lead Routing Immobilien-gerecht aufzusetzen heißt, die Besonderheiten des Neubau- und Kapitalanlagevertriebs abzubilden: Anfragen beziehen sich oft auf ein bestimmtes Projekt oder eine einzelne Einheit, Berater arbeiten parallel in mehreren Projekten, und externe Vertriebspartner gehören zum Team.
Bevor Sie ein Modell wählen, sollte die Regel einige Grundfragen beantworten. Fehlt eine dieser Antworten, entstehen Konflikte nicht im Normalfall, sondern im Sonderfall: bei Dubletten, bei Urlaub, bei Anfragen außerhalb der Geschäftszeiten oder bei einem Interessenten, der sich für zwei Projekte gleichzeitig interessiert.
- Auslöser: Ab welchem Ereignis gilt eine Anfrage als zugewiesen, etwa ab Eingang im CRM oder erst nach der Prüfung auf Dubletten?
- Regel: Welches Modell entscheidet, und in welcher Reihenfolge greifen Ausnahmen?
- Bestandsprüfung: Hat der Interessent bereits einen zuständigen Berater, der Vorrang vor der Neuverteilung hat?
- Frist: Bis wann muss der Erstkontakt dokumentiert sein, bevor die Rückgaberegel greift?
- Protokoll: Welche Felder halten Regel, Regelversion, Zeitpunkt und Empfänger fest?
Leadverteilung Immobilienvertrieb: drei Modelle in der Entscheidungsmatrix
Die drei Grundmodelle unterscheiden sich darin, welche Größe sie gleich verteilen. Die reihum erfolgende Verteilung verteilt Stückzahlen gleich, die kapazitätsabhängige Verteilung verteilt Arbeitslast, und die projektbezogene Zuteilung verteilt Zuständigkeiten nach Projektwissen. Keines der Modelle ist für sich genommen richtig oder falsch; entscheidend ist, welche Ungleichheit in Ihrem Team die größeren Folgen hat.
Die Modelle lassen sich kombinieren. Naheliegend ist eine zweistufige Regel: Zuerst entscheidet der Projektbezug über das Team, innerhalb des Teams entscheidet dann Reihenfolge oder Kapazität über die Person. Die folgende Matrix zeigt, wo Stärken und Grenzen jedes Modells liegen, wenn es allein eingesetzt wird.
Lesen Sie die Matrix zeilenweise. Ist in Ihrem Team eine Zeile besonders kritisch, etwa der Umgang mit Teilzeit oder der Pflegeaufwand für die Teamleitung, gibt diese Zeile den Ausschlag. Die durchgerechneten Fälle in den folgenden Abschnitten zeigen, wie sich die Unterschiede in konkreten Zuweisungszahlen niederschlagen.
Entscheidungsmatrix für die Erstzuweisung von Anfragen
| Kriterium | Reihum (Round Robin) | Kapazitätsabhängig | Projektbezogen |
|---|---|---|---|
| Verteilgröße | Gleiche Stückzahl je Berater | Freie Plätze bis zum Zielbestand | Zuständigkeit nach Projekt oder Einheit |
| Datenbedarf | Reihenfolge der Berater, gespeicherter Zeiger | Zielbestand je Berater, aktueller Bestand offener Anfragen | Projektzuordnung je Anfrage, Teamzuordnung je Projekt |
| Teilzeit | Nur über Gewichtung oder Doppeleinträge abbildbar | Über niedrigeren Zielbestand direkt abgebildet | Abhängig von der Regel innerhalb des Projektteams |
| Abwesenheit | Berater wird übersprungen, kein automatischer Ausgleich | Zielbestand während der Abwesenheit auf null | Vertretung im Projektteam erforderlich |
| Pflegeaufwand | Gering | Mittel, Zielbestände müssen aktuell sein | Mittel, Teamzuordnung je Projekt pflegen |
| Hauptrisiko | Überlastung bei ungleichem Bestand | Falsch gepflegte Zielbestände verzerren die Verteilung | Engpass bei stark nachgefragtem Projekt |
| Geeignet für | Homogene Teams mit gleicher Arbeitszeit | Gemischte Teams mit Teilzeit und schwankendem Bestand | Mehrere Projekte mit unterschiedlicher Zielgruppe |
In der Software
Jeder Vorgang steht an seiner Stufe
Board, Tabelle und Zeitstrahl zeigen dieselben Deals — wer wo hängt, sieht man ohne Rückfrage.


Bildschirmaufnahme aus der App, Beispieldaten.
CRM ansehenWie funktioniert die reihum erfolgende Verteilung?
Bei der reihum erfolgenden Verteilung erhält jeder verfügbare Berater nacheinander die nächste Anfrage. Ein Zeiger merkt sich, wer zuletzt zugewiesen wurde, und springt nach dem letzten Berater wieder an den Anfang. Über einen längeren Zeitraum erhält so jeder Berater annähernd dieselbe Zahl neuer Anfragen.
Annahme: Vier Berater A, B, C und D stehen in dieser Reihenfolge in der Verteilliste, an einem Tag gehen zehn Anfragen ein, der Zeiger steht zu Beginn vor A. Die Anfragen 1 bis 4 gehen an A bis D, die Anfragen 5 bis 8 ebenso, die Anfragen 9 und 10 an A und B. Ergebnis: A und B erhalten je drei Anfragen, C und D je zwei. Am nächsten Tag beginnt die Zuweisung bei C, nicht wieder bei A.
Der letzte Punkt ist für die Gleichbehandlung entscheidend. Wird der Zeiger täglich zurückgesetzt, erhalten die ersten Berater der Liste dauerhaft mehr Anfragen. Die Round Robin Leadverteilung braucht deshalb einen dauerhaft gespeicherten Zeiger. Ihre Grenze liegt im Bestand: Nehmen wir an, A hat bereits 30 offene Anfragen und D nur acht. Beide erhalten trotzdem gleich viele neue. Die Stückzahl ist gleich verteilt, die Arbeitslast nicht.
Eine Gewichtung mildert das. Nehmen wir an, ein Teilzeitberater arbeitet die Hälfte einer Vollzeitstelle: Er steht dann einmal in der Liste, Vollzeitberater stehen zweimal darin. Das funktioniert, macht die Liste aber schwer lesbar, sobald Arbeitszeiten oder Projektzuständigkeiten wechseln. Für homogene Teams bleibt die reihum erfolgende Verteilung eine einfache und leicht erklärbare Regel.
Wie berechnet man eine kapazitätsabhängige Leadverteilung?
Die kapazitätsabhängige Verteilung berechnet für jeden Berater die freien Plätze als Differenz zwischen Zielbestand und aktuellem Bestand offener Anfragen. Neue Anfragen werden im Verhältnis dieser freien Plätze verteilt. Wer viele offene Vorgänge hat, erhält weniger neue, wer Luft hat, erhält mehr.
Annahme: Der Zielbestand liegt bei 25 offenen Anfragen für Vollzeit und bei 12 für Teilzeit. Berater A (Vollzeit) hat 21 offene Anfragen, also 4 freie Plätze. Berater B (Vollzeit) hat 15 offene, also 10 freie Plätze. Beraterin C (Teilzeit) hat 6 offene, also 6 freie Plätze. Zusammen sind 20 Plätze frei. Gehen 10 neue Anfragen ein, erhält A 4/20 × 10 = 2, B 10/20 × 10 = 5 und C 6/20 × 10 = 3 Anfragen.
Bei echten Zahlen entstehen Nachkommastellen. Sinnvoll ist dann eine sequenzielle Zuweisung: Jede neue Anfrage geht an die Person, die aktuell die meisten freien Plätze hat, danach wird der Bestand neu berechnet. Das Ergebnis über den Tag entspricht annähernd der Verhältnisrechnung, ohne dass gerundet werden muss. Haben alle Berater ihren Zielbestand erreicht, braucht die Regel eine Ausweichstufe, etwa die Zuweisung an die Teamleitung.
Die Methode steht und fällt mit der Definition von „offen“. Empfehlenswert ist eine harte Definition: Offen ist eine Anfrage, solange sie nicht als qualifiziert, abgeschlossen oder verloren markiert ist. Wer veraltete Vorgänge nicht schließt, erscheint dauerhaft ausgelastet und erhält keine neuen Anfragen. Die Methode setzt damit einen Anreiz zu sauberer Datenpflege.
20
Freie Plätze im Team
Annahme: Zielbestand 25 bzw. 12, Bestand 21, 15 und 6
5 von 10
↑Neue Anfragen an Berater B
Rechenergebnis: 10 von 20 freien Plätzen
2 von 10
↓Neue Anfragen an Berater A
Rechenergebnis: 4 von 20 freien Plätzen
Wann ist eine projektbezogene Zuteilung sinnvoll?
Eine projektbezogene Zuteilung ist sinnvoll, wenn sich Projekte in Zielgruppe, Produkt oder Region deutlich unterscheiden und die Beratungsqualität vom Projektwissen abhängt. Beispiele sind ein Kapitalanlageprojekt mit Mietpool neben einem Eigennutzerprojekt oder Projekte in verschiedenen Städten mit Besichtigungen vor Ort.
Voraussetzung ist, dass jede Anfrage einem Projekt zugeordnet werden kann. Bei Anfragen über ein projektspezifisches Exposé oder eine Projektseite gelingt das automatisch. Bei allgemeinen Anfragen über die Unternehmensseite oder per Telefon fehlt der Bezug. Für diese Fälle braucht die Regel einen allgemeinen Pool, aus dem reihum oder nach Kapazität verteilt wird, bis der Projektbezug im Erstgespräch geklärt ist.
Das größere Risiko ist der Engpass. Nehmen wir an, Projekt Nord ist zwei Beratern zugeordnet und erhält an einem Tag 16 Anfragen, während Projekt Süd mit ebenfalls zwei Beratern drei Anfragen erhält. Ohne Überlaufregel erhalten die Nord-Berater je acht neue Anfragen, die Süd-Berater eine oder zwei. Eine Überlaufregel, die ab einer festgelegten Kapazitätsgrenze an das andere Team abgibt, verhindert diese Schieflage.
Praxis-Tipp
Überlaufgrenze als Kapazitätswert definieren
Sinnvoll ist eine Überlaufgrenze, die an die kapazitätsabhängige Regel anknüpft: Erst wenn alle Berater eines Projektteams ihren Zielbestand erreicht haben, geht die nächste Anfrage an das Ausweichteam. So bleibt der Projektbezug der Normalfall.
Experten-Tipp
Bestandsprüfung vor Projektregel
Prüfen Sie vor jeder projektbezogenen Zuweisung, ob der Interessent bereits einen zuständigen Berater hat. Die Bestandsprüfung sollte Vorrang vor der Projektregel haben, sonst entstehen für dieselbe Person doppelte Zuständigkeiten und widersprüchliche Beratung.
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Wie werden Abwesenheiten in der Leadverteilung berücksichtigt?
Abwesenheiten werden auf zwei Ebenen berücksichtigt: Für neue Anfragen wird der abwesende Berater während der Abwesenheit von der Verteilung ausgenommen. Für bereits zugewiesene, offene Anfragen regelt eine Vertretungsregel, welche Vorgänge in der Abwesenheit fällig werden und wer sie übernimmt.
Bei der reihum erfolgenden Verteilung wird der abwesende Berater übersprungen, der Zeiger rückt zum nächsten verfügbaren Kollegen. Ein nachträglicher Ausgleich nach der Rückkehr empfiehlt sich nicht: Er würde den Rückkehrer gerade dann mit zusätzlichen Anfragen belasten, wenn er liegengebliebene Vorgänge aufarbeitet. Bei der kapazitätsabhängigen Verteilung genügt es, den Zielbestand während der Abwesenheit auf null zu setzen.
Für den Bestand ist eine Unterscheidung nach Fälligkeit sinnvoll. Annahme: Berater B ist fünf Arbeitstage im Urlaub und hat 18 offene Anfragen. Bei 7 davon ist eine Wiedervorlage oder ein Termin innerhalb der Abwesenheit fällig. Nur diese 7 gehen vorübergehend an die Vertretung, die übrigen 11 bleiben bei B. So bleibt die Beziehung zum Interessenten erhalten, ohne dass fällige Kontakte verloren gehen.
- 1Abwesenheit mit Beginn und Ende im CRM erfassen, nicht nur in einem separaten Teamkalender.
- 2Die Verteilregel liest die Abwesenheit aus und schließt den Berater ab Beginn von neuen Zuweisungen aus.
- 3Offene Anfragen mit Fälligkeit in der Abwesenheit an die benannte Vertretung übertragen, mit Übergabevermerk.
- 4Am Rückkehrtag die übertragenen Anfragen sichten und entscheiden, wer sie dauerhaft weiterführt.
- 5Ungeplante Abwesenheiten wie Krankheit durch die Teamleitung eintragen lassen, damit die Regel sofort greift.
Rückgabe unbearbeiteter Anfragen: Frist, Pool und Eskalation
Eine Verteilregel ohne Rückgaberegel verlagert das Problem nur. Die Anfrage ist zugewiesen, aber niemand stellt sicher, dass sie auch bearbeitet wird. Eine Rückgaberegel legt fest, nach welcher Frist eine Anfrage ohne dokumentierten Erstkontakt zurück in die Verteilung geht und an wen sie dann fällt.
Als Gestaltungsempfehlung bietet sich eine gestufte Frist in Arbeitsstunden statt in Kalenderstunden an. Nehmen wir an, eine Anfrage geht freitags um 18 Uhr ein: Rechnet die Frist nur innerhalb der Geschäftszeiten, wird sie nicht am Wochenende zurückgegeben. Entscheidend ist ein objektives Bearbeitungskriterium, nämlich ein dokumentierter Kontaktversuch per Telefon oder E-Mail, nicht das bloße Öffnen des Datensatzes.
Wichtig ist der Ausschluss des bisherigen Beraters bei der Neuverteilung. Sonst landet die Anfrage bei der reihum erfolgenden Verteilung unter Umständen wieder bei derselben Person. Empfehlenswert ist zudem eine Obergrenze für Rückgaben: Nach der zweiten Rückgabe entscheidet die Teamleitung, statt die Anfrage weiter im Kreis zu schicken.
Die Rückgabequote je Berater ist eine aussagekräftige Steuerungsgröße: Rückgaben geteilt durch erhaltene Anfragen im selben Zeitraum. Werten Sie sie zusammen mit Abwesenheiten aus, denn eine erhöhte Quote kann auf Überlastung durch eine Vertretung hinweisen und nicht auf mangelnde Sorgfalt.
- 1Empfohlene Stufe 1: Erinnerung an den Berater nach zwei Arbeitsstunden ohne dokumentierten Kontaktversuch.
- 2Empfohlene Stufe 2: Rückgabe in die Verteilung nach vier Arbeitsstunden, bisheriger Berater ausgeschlossen.
- 3Empfohlene Stufe 3: Nach der zweiten Rückgabe Zuweisung an die Teamleitung zur manuellen Entscheidung.
- 4Jede Rückgabe mit Zeitpunkt, Stufe und vorherigem Berater protokollieren.
Praxisbeispiel: ein Monat Zuteilung mit zwei Projekten durchgerechnet
Annahme: Ein Vertrieb betreut zwei Projekte über 20 Arbeitstage. Projekt Nord erhält gleichmäßig vier Anfragen pro Arbeitstag, also 80 im Monat, und ist den Vollzeitberatern A und B zugeordnet. Projekt Süd erhält drei Anfragen pro Arbeitstag, also 60, und ist Vollzeitberaterin C und Teilzeitberater D zugeordnet. Die Regel ist zweistufig: Der Projektbezug bestimmt das Team, innerhalb des Teams wird verteilt.
Schritt 1, Projekt Nord: Innerhalb des Teams gilt die reihum erfolgende Verteilung. Annahme: B ist an fünf Arbeitstagen abwesend. An 15 Tagen sind beide da, das ergibt 60 Anfragen, je 30 für A und B. An den fünf übrigen Tagen gehen alle 20 Anfragen an A. Ergebnis der Erstzuweisung: A erhält 50, B 30 Anfragen.
Schritt 2, Projekt Süd: Innerhalb des Teams gilt eine Gewichtung im Verhältnis 2 zu 1 entsprechend der Arbeitszeit. Von drei täglichen Anfragen erhält C zwei, D eine. Über 20 Tage erhält C 40 und D 20 Anfragen. Schritt 3, Rückgaben: Annahme: A gibt nach der Rückkehr von B fünf Anfragen nach Fristablauf zurück, D zwei; sie gehen an den jeweils anderen Teamkollegen. Endstand: A 45, B 35, C 42, D 18, zusammen 140.
Die Rückgabequote beträgt bei A 5 von 50 und bei D 2 von 20, also jeweils 10 Prozent. Die gleiche Quote hat unterschiedliche Ursachen: A erhielt während der Abwesenheit von B alle 20 Nord-Anfragen dieser Tage, also 10 mehr als bei voller Besetzung; D arbeitet nach der Annahme mit halber Arbeitszeit. Zum Vergleich: Eine Round Robin Leadverteilung über alle vier Berater ohne Projektbezug und ohne Abwesenheiten hätte D rechnerisch 140 / 4 = 35 Anfragen zugewiesen, also 15 mehr als nach Gewichtung.
140
Anfragen im Monat
Annahme: 80 für Projekt Nord, 60 für Projekt Süd
45 / 35 / 42 / 18
Endstand je Berater A, B, C, D
Rechenergebnis nach Rückgaben
10 %
Rückgabequote bei A und D
Rechenergebnis: 5 von 50 und 2 von 20
Externe Vertriebspartner und Datenschutz bei der Zuweisung
Werden Anfragen auch an externe Vertriebspartner verteilt, kommt vor der eigentlichen Regel eine Prüfstufe hinzu. Wer gewerbsmäßig den Abschluss von Verträgen über Grundstücke oder Wohnräume vermitteln oder die Gelegenheit dazu nachweisen will, benötigt nach § 34c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GewO eine Erlaubnis. Sinnvoll ist, dass die Verteilregel nur Partner berücksichtigt, deren Erlaubnisnachweis im CRM hinterlegt und als geprüft markiert ist.
Datenschutzrechtlich gilt der Grundsatz der Datenminimierung nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO: Ein Partner erhält nur die Angaben, die er für die Bearbeitung der Anfrage braucht. Nach Art. 25 Abs. 2 Satz 3 DSGVO dürfen Voreinstellungen personenbezogene Daten nicht ohne Eingreifen der Person einer unbestimmten Zahl von Personen zugänglich machen. Für die Verteilung heißt das: Eine Anfrage ist standardmäßig nur für den zugewiesenen Empfänger und dessen Teamleitung sichtbar, nicht für alle Partner.
Nach Art. 5 Abs. 2 DSGVO muss der Verantwortliche die Einhaltung der Grundsätze nachweisen können. Ein Verteilprotokoll mit Regel, Zeitpunkt und Empfänger unterstützt diesen Nachweis, weil es zeigt, wer wann Zugriff auf welche Anfrage erhielt. Die konkrete Bewertung Ihrer Verarbeitung gehört in die Abstimmung mit Ihrem Datenschutzbeauftragten; dieser Abschnitt ordnet ein und ersetzt keine Rechtsberatung.
Experten-Tipp
Partnerstatus als Filter, nicht als Hinweis
Hinterlegen Sie Erlaubnisnachweis und Prüfdatum als Pflichtfelder am Partnerdatensatz und lassen Sie die Verteilregel nur aktive, geprüfte Partner auswählen. Ein Warnhinweis allein wird im Tagesgeschäft übersehen.
Praxis-Tipp
Rückgabe entzieht den Zugriff
Wird eine Anfrage von einem Partner zurückgegeben, sollte er den Zugriff auf den Datensatz zugleich verlieren. Sonst bleiben Kontaktdaten für Personen sichtbar, die für die Anfrage nicht mehr zuständig sind.
Wie führen Sie Verteilregeln im CRM ein?
Verteilregeln führen Sie in fünf Schritten ein: Ist-Zustand erfassen, Regel schriftlich festlegen, mit Testfällen prüfen, in einem Pilotzeitraum laufen lassen und anhand von Kennzahlen nachjustieren. Jede Regeländerung wird mit Datum versioniert, damit ältere Zuweisungen nach der damals gültigen Regel bewertbar bleiben.
Wer Immobilien Leads automatisch verteilen möchte, sollte vor der Konfiguration die Ausnahmen aufschreiben, nicht die Normalfälle. Der Normalfall ist schnell eingestellt. Aufwendig sind Dubletten, Anfragen ohne Projektbezug, Abwesenheiten, Partneranfragen und Rückgaben. Jede dieser Ausnahmen wird zu einem Testfall mit erwartetem Ergebnis, den Sie in der Softwaredemo oder im Testsystem durchspielen.
Für den Pilotzeitraum empfiehlt sich ein Monat, damit mindestens eine Abwesenheit und mehrere Rückgaben in den Daten auftauchen. Danach vergleichen Sie Zuweisungen je Berater, Rückgabequote und Zeit bis zum ersten dokumentierten Kontakt mit dem Ist-Zustand. Prüfen Sie dabei, ob Teamzuordnung, Abwesenheiten und Zuweisungsprotokoll im CRM abbildbar sind, ohne dass Tabellen außerhalb des Systems nötig werden.
- 1Ist-Zustand: Zuweisungen der vergangenen Wochen aus CRM oder Postfach auswerten, getrennt nach Berater und Projekt.
- 2Regeldokument: Modell, Reihenfolge der Ausnahmen, Fristen und Vertretungen auf einer Seite festhalten.
- 3Testfälle: Empfehlenswert sind Fälle für Dublette, fehlenden Projektbezug, Abwesenheit, Partnerzuweisung und Rückgabe, jeweils mit erwartetem Ergebnis.
- 4Pilot: Regel aktivieren und Abweichungen wöchentlich in der Teamrunde besprechen.
- 5Review: Zielbestände, Gewichtungen und Fristen anpassen und als neue Regelversion speichern.
Praxis-Tipp
Regel für das Team lesbar machen
Veröffentlichen Sie die Verteilregel intern in Klartext mit einem Rechenbeispiel. Berater akzeptieren eine Zuweisung leichter, wenn sie nachrechnen können, warum eine Anfrage bei ihnen oder bei einem Kollegen gelandet ist.
FAQ: Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Round Robin und kapazitätsabhängiger Verteilung?
Round Robin verteilt neue Anfragen reihum in gleicher Stückzahl, unabhängig vom vorhandenen Bestand. Die kapazitätsabhängige Verteilung rechnet mit freien Plätzen bis zu einem Zielbestand und weist Beratern mit wenigen offenen Vorgängen mehr neue Anfragen zu.
Sollte ein Berater nach dem Urlaub zusätzliche Anfragen als Ausgleich erhalten?
Ein Ausgleich empfiehlt sich nicht, weil der Rückkehrer zunächst liegengebliebene Vorgänge aufarbeitet. Bei kapazitätsabhängiger Verteilung erledigt sich die Frage, weil der Bestand nach der Rückkehr die Zuweisung steuert.
Was passiert mit einer Anfrage, wenn der Interessent schon einen Berater hat?
Eine Bestandsprüfung vor der Verteilung sollte Vorrang haben. Ist der Interessent bereits einem Berater zugeordnet, geht die neue Anfrage an diesen Berater, auch wenn sie ein anderes Projekt betrifft, sofern Ihre Regel nicht ausdrücklich etwas anderes vorsieht.
Wie lang sollte die Frist bis zur Rückgabe einer unbearbeiteten Anfrage sein?
Die Frist ist eine Gestaltungsentscheidung. Sinnvoll ist eine Frist in Arbeitsstunden innerhalb der Geschäftszeiten, etwa eine Erinnerung nach zwei und eine Rückgabe nach vier Arbeitsstunden. Messen Sie die Bearbeitung an einem dokumentierten Kontaktversuch, nicht am Öffnen des Datensatzes.
Dürfen Anfragen automatisch an externe Vertriebspartner weitergegeben werden?
Prüfen Sie vorab, ob der Partner die nach § 34c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GewO erforderliche Erlaubnis besitzt und ob die Weitergabe datenschutzrechtlich abgedeckt ist. Geben Sie nach Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO nur die Daten weiter, die der Partner benötigt. Die Einzelfallbewertung gehört in die Abstimmung mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Wie gehe ich mit Anfragen ohne Projektbezug um?
Legen Sie einen allgemeinen Pool an, aus dem reihum oder nach Kapazität verteilt wird. Nach dem Erstgespräch ordnet der Berater die Anfrage einem Projekt zu; ob sie dann zum Projektteam wechselt, regelt Ihre Verteilregel.
Welche Kennzahlen zeigen, ob die Verteilregel funktioniert?
Aussagekräftig sind Zuweisungen je Berater, die Rückgabequote je Berater und die Zeit bis zum ersten dokumentierten Kontakt. Werten Sie die Kennzahlen zusammen mit Abwesenheiten aus, damit Vertretungslast nicht als Leistungsproblem erscheint.
Fazit
Eine belastbare Leadverteilung beginnt nicht mit der Software, sondern mit einer schriftlichen Regel: Welches Modell gilt, in welcher Reihenfolge greifen Bestandsprüfung, Projektbezug und Ausnahmen, und wann wird eine unbearbeitete Anfrage zurückgegeben. Die reihum erfolgende Verteilung passt zu homogenen Teams, die kapazitätsabhängige zu gemischten Teams mit Teilzeit, die projektbezogene zu Portfolios mit klar unterschiedlichen Projekten.
Die durchgerechneten Fälle zeigen, dass dieselbe Kennzahl unterschiedliche Ursachen haben kann: Eine gleiche Rückgabequote kann auf Vertretungslast oder auf Teilzeit zurückgehen. Prüfen Sie deshalb jede Regel mit eigenen Testfällen, protokollieren Sie jede Zuweisung und passen Sie Zielbestände und Fristen nach einem Pilotmonat an.
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Externe Quellen
- DSGVO — amtlicher Text bei EUR-Lex: Amtlicher Wortlaut zu Datenminimierung, Rechenschaftspflicht und datenschutzfreundlichen Voreinstellungen.
- § 34c GewO — Erlaubnispflicht: Gesetzestext zur Erlaubnispflicht für die Vermittlung von Verträgen über Grundstücke und Wohnräume.

