Viele Bauträger entwickeln jedes Vorhaben in einer eigenen GmbH oder GmbH & Co. KG. Für Finanzierung und Haftung ist das sinnvoll, für den Vertrieb entsteht dadurch eine zusätzliche Ordnungsebene. Wer das Thema Projektgesellschaft Vertrieb Gesellschafterstruktur sauber aufsetzt, beantwortet vor allem eine Frage: Welche Vertriebsdaten gehören zu welcher Gesellschaft, und wie sieht das Team trotzdem alle Projekte auf einen Blick?
In der Praxis wachsen die Strukturen schneller als die Werkzeuge. Aus einem Projekt werden drei, aus einer Alleingesellschaft wird ein Joint Venture mit dem Grundstückseigentümer, und ein Teil des Vertriebs läuft über eine eigene Vertriebsgesellschaft. Reservierungslisten und Provisionsübersichten liegen dann in getrennten Dateien, oder alles steht in einer Tabelle, in der niemand mehr erkennt, welche Einheit zu welchem Vertragspartner gehört.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Gesellschaft, Projekt und Einheit im Datenmodell verknüpfen, wer bei Reservierung und Kaufvertrag Vertragspartner ist, wie Provisionen je Gesellschaft zugeordnet werden und was bei einem Gesellschafterwechsel mit den Vertriebsdaten geschieht. Rechtliche Hinweise sind Einordnungen mit Verweis auf die jeweilige Norm und ersetzen keine Beratung durch Ihre Rechts- oder Steuerberatung.
Warum entwickeln Bauträger in Projektgesellschaften?
Bauträger gründen je Vorhaben eine Projektgesellschaft, um Haftung, Finanzierung und Beteiligungen projektbezogen zu trennen. Bei einer GmbH haftet den Gläubigern nach § 13 Abs. 2 GmbHG nur das Gesellschaftsvermögen. Banken finanzieren so das einzelne Vorhaben, Partner beteiligen sich gezielt an einem Projekt, und ein späterer Verkauf der Anteile bleibt möglich.
Für den Vertrieb hat diese Struktur eine unmittelbare Folge: Jede Gesellschaft verkauft ihre eigenen Einheiten. Sie schließt die Reservierungsvereinbarungen, wird im Kaufvertrag als Veräußerin genannt, erhält die Kaufpreisraten auf ihr eigenes Konto und trägt die Vertriebskosten in ihrer eigenen Buchhaltung. Das Bauträgerunternehmen oder die Holding dahinter ist in diesen Vorgängen meist nicht Vertragspartei, auch wenn dort das Vertriebsteam sitzt.
Die Gründe für die Projektgesellschaft liegen außerhalb des Vertriebs, ihre Konsequenzen aber mitten darin. Bank, Mitgesellschafter und ein möglicher Anteilskäufer fragen jeweils nach den Zahlen einer bestimmten Gesellschaft, nicht nach dem Gesamtbestand. Eine einzige gemeinsame Verkaufsliste für alle Vorhaben trägt deshalb auf Dauer nicht. Vier Motive prägen die Struktur und wirken direkt auf die Vertriebsorganisation:
- Haftungstrennung: Risiken eines Vorhabens bleiben in der jeweiligen Gesellschaft.
- Projektfinanzierung: Die finanzierende Bank verlangt Verkaufsnachweise je Gesellschaft.
- Beteiligungen: Grundstückseigentümer oder Kapitalgeber beteiligen sich an einem einzelnen Projekt.
- Exit-Option: Die Gesellschaft kann samt ihrer Verträge als Ganzes verkauft werden.
Projektgesellschaft Vertrieb Gesellschafterstruktur: Was gehört wohin?
Alles, was einen Vertrag oder eine Zahlung begründet, gehört zur Projektgesellschaft: Einheiten, Preislisten, Reservierungen, Kaufverträge, Zahlungspläne und Provisionsansprüche aus dem Verkauf. Zentral bei Bauträger oder Vertriebseinheit liegen dagegen Kontakte vor der Reservierung, Vertriebspartner-Stammdaten, Vorlagen und die übergreifende Steuerung aller Vorhaben.
Die Grauzone beginnt beim Interessenten. Wer sich für eine Zweizimmerwohnung als Kapitalanlage interessiert, kommt oft für mehrere Projekte infrage. Solange keine Reservierung besteht, empfiehlt es sich, den Kontakt zentral zu führen und die Projekte nur als Interessenmerkmal zu vermerken. Erst mit der Reservierung entsteht der feste Bezug zu einer Gesellschaft, und ab diesem Moment gehören Vorgang und Dokumente in deren Bereich.
Für die Achse Projektgesellschaft Bauträger Vertrieb bedeutet das eine klare Arbeitsteilung: Der Bauträger steuert, die Gesellschaft verkauft, das Vertriebsteam dokumentiert beides in einer gemeinsamen Struktur. Die Zuordnungskette lautet damit Vertrieb Projektgesellschaft Immobilien: Jede Verkaufsaktivität hängt an einer Gesellschaft, jede Gesellschaft an ihren Einheiten. Die folgende Tabelle zeigt eine sinnvolle Zuordnung der wichtigsten Datenobjekte.
Zuordnung von Vertriebsdaten in der Projektstruktur
| Datenobjekt | Zuordnung | Begründung |
|---|---|---|
| Interessent vor Reservierung | Zentral | Interesse oft an mehreren Projekten, noch kein Vertragsbezug |
| Einheit und Preisliste | Projektgesellschaft | Gesellschaft ist Eigentümerin und Verkäuferin |
| Reservierung | Projektgesellschaft | Vertragspartnerin der Reservierungsvereinbarung |
| Kaufvertrag und Zahlungsplan | Projektgesellschaft | Veräußerin im notariellen Vertrag, Raten auf ihr Konto |
| Provisionsanspruch | Gesellschaft, die den Vertriebsvertrag geschlossen hat | Kosten in der zuständigen Buchhaltung |
| Vertriebspartner-Stammdaten | Zentral | Ein Partner arbeitet oft für mehrere Gesellschaften |
| Vorlagen und Prozesse | Zentral | Einheitliche Qualität über alle Vorhaben |
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Jedes Objekt trägt seine Eckdaten, Unterlagen und den Vermarktungsstand — daraus entsteht das Exposé, das beim Kunden ankommt.


Oberfläche im Original, Beispieldaten.
Objektkatalog ansehenWelche Gesellschafterstrukturen prägen den Vertriebsalltag?
Für den Vertrieb sind vier Grundmuster relevant: die Projektgesellschaft im Alleinbesitz des Bauträgers, das Joint Venture mit einem Partner, die Holding mit mehreren Projektgesellschaften und die Kombination mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft. Sie unterscheiden sich darin, wer Einsicht in Vertriebsdaten verlangt und wem Provisionen berechnet werden.
Wer die Gesellschafterstruktur Immobilienprojekt für Immobilienprojekt neu verhandelt, sollte die Informationsrechte mitdenken. Gesellschafter einer GmbH können nach § 51a Abs. 1 GmbHG Auskunft über die Angelegenheiten der Gesellschaft und Einsicht in Bücher und Schriften verlangen. Für den Vertrieb heißt das: Ein Joint-Venture-Partner darf Einblick in seine Gesellschaft erwarten, nicht in die Parallelprojekte des Bauträgers. Berechtigungen müssen diese Grenze technisch abbilden.
Eine eigene Vertriebsgesellschaft, die Einheiten für die Projektgesellschaften vermittelt, ist gewerberechtlich gesondert einzuordnen. Die Vermittlung von Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten fällt unter § 34c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GewO. Organisatorisch entsteht ein zusätzliches Vertragsverhältnis zwischen Vertriebsgesellschaft und jeder Projektgesellschaft, das in der Provisionslogik sichtbar sein muss.
- Alleingesellschaft: interne Steuerung, Berichte vor allem an die finanzierende Bank.
- Joint Venture: Mitgesellschafter erwarten Auswertungen, aber nur für ihre Gesellschaft.
- Holding mit mehreren Projektgesellschaften: zentrale Sicht und Trennung zugleich.
- Eigene Vertriebsgesellschaft: vermittelt für die Projektgesellschaften und rechnet mit ihnen ab.
Wer ist Vertragspartner bei Reservierung und Kaufvertrag?
Vertragspartnerin des Käufers ist die Projektgesellschaft, der die Einheit gehört, nicht die Holding und nicht der Vertrieb. Wer als Mitarbeiter oder Vertriebspartner handelt, tut das im Namen dieser Gesellschaft. Nach § 164 Abs. 1 Satz 1 BGB wirkt eine Erklärung im fremden Namen mit Vertretungsmacht unmittelbar für und gegen die vertretene Gesellschaft.
Der Kaufvertrag bedarf nach § 311b Abs. 1 Satz 1 BGB der notariellen Beurkundung, beim Bauträgervertrag im Sinne von § 650u Abs. 1 BGB kommt die Bauverpflichtung hinzu. Der Notar benötigt Firma, Sitz, Registergericht, Registernummer und Vertretungsberechtigte der richtigen Gesellschaft. Stehen in der Reservierung andere Angaben als im Vertragsentwurf, entstehen Rückfragen und Verzögerungen. Deshalb sollten diese Daten einmal je Gesellschaft gepflegt und in alle Vorlagen übernommen werden.
Auch die Zahlungsseite ist gesellschaftsbezogen. Die Raten nach Baufortschritt richten sich nach § 3 Abs. 2 MaBV und gehen auf das Konto der jeweiligen Projektgesellschaft. Tritt die Gesellschaft selbst als Bauträgerin auf, knüpft die Erlaubnispflicht nach § 34c Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 GewO an sie an. Es empfiehlt sich, Erlaubnis, Bankverbindung und Zahlungsplanvorlage direkt am Gesellschaftsdatensatz zu hinterlegen.
Praxis-Tipp
Gesellschaftsdaten als Vorlagenfeld
Tragen Sie Firma, Registernummer und Vertretungsberechtigte nicht händisch in Reservierungen ein, sondern ziehen Sie diese Felder automatisch aus dem Gesellschaftsdatensatz des Projekts.
Experten-Tipp
Vollmachten dokumentieren
Wer im Namen mehrerer Gesellschaften Reservierungen zeichnet, braucht je Gesellschaft eine nachweisbare Vollmacht. Hinterlegen Sie diese mit Gültigkeitsdatum beim Gesellschaftsdatensatz.
Datenmodell: Gesellschaft als eigene Ebene über dem Projekt
Die tragfähige Grundstruktur hat vier Ebenen: Gesellschaft, Projekt, Bauabschnitt und Einheit. Die Gesellschaft steht oben und vererbt ihre Angaben nach unten. Jede Einheit kennt damit automatisch ihre Verkäuferin, ohne dass jemand die Firma bei jeder Wohnung neu erfasst. Fehler entstehen vor allem dort, wo die Gesellschaft nur als Textfeld im Projektnamen steckt, etwa als Zusatz „GmbH & Co. KG“ in einer Tabellenüberschrift.
Beim Aufbau empfiehlt sich eine feste Reihenfolge, damit Vorlagen, Rechte und Auswertungen von Beginn an auf der richtigen Ebene hängen:
Einen Sonderfall bilden Vorhaben, bei denen ein Bauabschnitt in eine eigene Gesellschaft ausgelagert wird. Dann ordnen Sie den Bauabschnitt statt des Projekts der Gesellschaft zu. Prüfen Sie bei jeder Software, ob diese Ausnahme abbildbar ist, ohne das Projekt künstlich zu teilen. In der Projekt- und Einheitenverwaltung von MyInvest Pro strukturieren Sie Projekte, Bauabschnitte und Einheiten hierarchisch und werten sie gemeinsam aus.
- 1Gesellschaft anlegen: Firma, Rechtsform, Sitz, Registernummer, Vertretungsberechtigte, Bankverbindung.
- 2Projekt genau einer Gesellschaft zuordnen.
- 3Bauabschnitte und Einheiten unter dem Projekt anlegen, die Gesellschaft wird vererbt.
- 4Vorlagen für Reservierung und Zahlungsplan mit den Gesellschaftsfeldern verknüpfen.
- 5Rollen und Leserechte je Gesellschaft vergeben.
- 6Auswertungen immer mit dem Filter Gesellschaft bauen, ergänzt um eine Gesamtsicht.
Mehrere Gesellschaften in einer Oberfläche steuern
Sehen Sie in der Live-Demo, wie sich Projekte, Einheiten und Reservierungen in MyInvest Pro strukturieren und je Projekt auswerten lassen.
MyInvest Pro
Wie behält das Vertriebsteam über mehrere Gesellschaften den Überblick?
Mit einer gemeinsamen Arbeitsoberfläche, in der die Gesellschaft Filter und Berechtigungsebene ist, kein eigenes System. Das Team sieht alle freigegebenen Einheiten, Reservierungen und Aufgaben zusammen, jede Zeile trägt aber sichtbar die Gesellschaft. So bleibt die Trennung erhalten, ohne dass Mitarbeiter zwischen Dateien oder Zugängen wechseln.
Annahme für ein Rechenbeispiel: Eine Holding steuert drei Projektgesellschaften. Gesellschaft A hat 24 Einheiten, davon 18 verkauft, 3 reserviert, 3 frei. Gesellschaft B hat 36 Einheiten, davon 12 verkauft, 6 reserviert, 18 frei. Gesellschaft C hat 40 Einheiten, davon 10 verkauft, 4 reserviert, 26 frei. Insgesamt sind 40 von 100 Einheiten verkauft, 13 reserviert und 47 frei.
Die Gesamtquote von 40 Prozent wirkt unauffällig. Je Gesellschaft zeigt sich ein anderes Bild: A liegt bei 75 Prozent, B bei rund 33 Prozent, C bei 25 Prozent. Hat die Bank für Gesellschaft C eine Vorverkaufsquote als Auszahlungsvoraussetzung vereinbart, entscheidet dieser Wert über den Baufortschritt. Sinnvoll ist deshalb ein wöchentlicher Blick auf die Quote je Gesellschaft, ergänzt um die Zahl offener Reservierungen mit Ablaufdatum.
100
Einheiten in drei Gesellschaften
Annahme im Rechenbeispiel
40 %
verkauft über alle Gesellschaften
40 von 100 Einheiten
75 %
↑verkauft in Gesellschaft A
18 von 24 Einheiten
25 %
↓verkauft in Gesellschaft C
10 von 40 Einheiten
Provisionen und Vertriebskosten je Gesellschaft zuordnen
Provisionen sind Kosten der Gesellschaft, die den Vertriebsvertrag geschlossen hat. Schließt die Projektgesellschaft direkt mit dem Vertriebspartner, bucht sie die Provision selbst. Ist eine Vertriebsgesellschaft zwischengeschaltet, rechnet diese mit der Projektgesellschaft ab und zahlt ihrerseits die Partner aus. Beide Wege sind organisierbar, sie dürfen nur nicht vermischt werden.
Annahme für den direkten Weg: Eine Einheit der Gesellschaft B wird für 420.000 Euro verkauft, die vereinbarte Provision beträgt 3 Prozent netto, also 12.600 Euro. Der Teilungsschlüssel sieht 70 Prozent für den Vertriebspartner und 30 Prozent für die Teamleitung vor. Daraus ergeben sich 8.820 Euro und 3.780 Euro, zusammen wieder 12.600 Euro, vollständig als Aufwand in Gesellschaft B.
Annahme für den Weg über eine Vertriebsgesellschaft: Diese erhält von Gesellschaft B 5 Prozent auf 420.000 Euro, also 21.000 Euro. Sie zahlt die 12.600 Euro an Partner und Teamleitung aus, 8.400 Euro verbleiben für eigene Kosten. In der Auswertung empfiehlt es sich, beide Ebenen getrennt zu zeigen: Aufwand der Projektgesellschaft und Auszahlung an Partner.
Praxis-Tipp
Gesellschaft als Kostenträger
Legen Sie in der Provisionsabrechnung die Gesellschaft als Pflichtfeld je Vorgang an. So lassen sich Gutschriften und Buchungsexporte ohne Nacharbeit der richtigen Buchhaltung zuordnen.
Experten-Tipp
Rahmenvertrag plus Projektanlage
Arbeitet ein Partner für mehrere Gesellschaften, hat sich ein Rahmenvertrag mit projektbezogenen Anlagen bewährt. Die Anlage nennt die vertragsschließende Gesellschaft und den Provisionssatz.
Datenschutz zwischen verbundenen Gesellschaften
Jede Projektgesellschaft ist datenschutzrechtlich eigenständige Verantwortliche im Sinne von Art. 4 Nr. 7 DSGVO. Ein pauschales Konzernprivileg kennt die Verordnung nicht. Erwägungsgrund 48 DSGVO erkennt zwar an, dass Unternehmensgruppen ein berechtigtes Interesse an der Übermittlung für interne Verwaltungszwecke haben können, die Abwägung nach Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. f DSGVO ersetzt das aber nicht.
Für den Vertriebsalltag heißt das: Die Weitergabe eines Interessenten an die Projektgesellschaft, bei der er reservieren will, lässt sich auf Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b DSGVO stützen, weil sie vorvertraglichen Maßnahmen auf Anfrage dient. Die Weitergabe an Parallelprojekte ohne konkreten Anlass ist dagegen gesondert zu begründen. Dokumentieren Sie im CRM, wann und warum ein Kontakt einer Gesellschaft zugeordnet wurde.
Betreibt die Holding das gemeinsame System für alle Gesellschaften, ist das Verhältnis vertraglich zu regeln. Verarbeitet sie im Auftrag, gilt Art. 28 Abs. 3 DSGVO, legen die Beteiligten Zwecke und Mittel gemeinsam fest, Art. 26 Abs. 1 DSGVO. Welche Variante zutrifft, klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten. Die Datenschutzhinweise sollten alle beteiligten Gesellschaften nennen.
Was passiert mit den Vertriebsdaten bei einem Anteilsverkauf?
Beim Anteilsverkauf bleibt die Projektgesellschaft bestehen und Vertragspartnerin aller Reservierungen und Kaufverträge, denn nach § 13 Abs. 1 GmbHG hat sie selbständig ihre Rechte und Pflichten. Es wechseln nicht die Verträge, sondern die Gesellschafter und damit die Personen, die künftig auf die Daten zugreifen und sie auswerten dürfen.
In der Prüfung vor dem Kauf verlangt die Käuferseite einen belastbaren Vertriebsstand. Wer die Gesellschaft als Pflichtfeld führt, erstellt diesen Stand per Filter und Export, ohne Daten anderer Gesellschaften offenzulegen. Wer mit einer Gesamttabelle arbeitet, muss manuell bereinigen und riskiert, Käuferdaten aus Parallelprojekten weiterzugeben. Für die Übergabe empfiehlt sich folgendes Paket:
Nach dem Vollzug sind Zugriffe anzupassen: Mitarbeiter des Bauträgers verlieren gegebenenfalls ihre Rechte, Vertriebspartner erhalten die Information über den neuen Ansprechpartner. Die Historie bleibt in der Gesellschaft, weil Gewährleistung und Abnahmen noch Jahre später Bezug auf Reservierungs- und Vertragsdaten nehmen können.
- Einheitenliste mit Status, Kaufpreis und Beurkundungsdatum der betroffenen Gesellschaft
- Offene Reservierungen mit Ablaufdatum und zuständigem Vertriebspartner
- Zahlungspläne mit Stand der Ratenanforderungen nach Baufortschritt
- Offene und ausgezahlte Provisionen je Vertriebspartner
- Dokumentenverzeichnis aus dem Datenraum der Gesellschaft
Einführung in der Praxis: von der Sammeltabelle zur Gesellschaftsstruktur
Die Umstellung gelingt am ehesten, wenn Sie nicht mit der Software beginnen, sondern mit einer Liste aller Gesellschaften und ihrer Vorhaben. Häufig zeigt sich dabei, dass Einheiten in der bisherigen Tabelle falschen oder veralteten Gesellschaften zugeordnet sind, etwa nach einer Umfirmierung. Diese Klärung gehört vor die Migration, sonst übertragen Sie die Fehler in das neue System.
Für den Ablauf empfiehlt sich eine schrittweise Einführung mit festem Stichtag:
Bei laufenden Projekten sinnvoll ist ein Stichtag, ab dem neue Reservierungen nur noch im neuen System angelegt werden. Bestehende Vorgänge übernehmen Sie mit Status und Dokumenten, abgeschlossene Vorhaben nur als Referenz. So bleibt das Team arbeitsfähig, und die Trennung je Gesellschaft gilt ab dem ersten neuen Vorgang.
- 1Bestandsaufnahme aller Gesellschaften, Projekte und Bauabschnitte.
- 2Stammdaten je Gesellschaft vollständig erfassen und prüfen.
- 3Einheiten, Reservierungen und Provisionen der richtigen Gesellschaft zuordnen.
- 4Rollen je Gesellschaft festlegen, besonders für Joint-Venture-Partner.
- 5Berichte je Gesellschaft und gesamt einrichten.
- 6Stichtag festlegen und Altbestände übernehmen.
Praxis-Tipp
Mit einer Pilotgesellschaft starten
Beginnen Sie mit einer Gesellschaft, deren Vertrieb gerade anläuft. Dort sind die Datenmengen überschaubar, und Sie testen Vorlagen und Rechte, bevor laufende Vorhaben folgen.
Experten-Tipp
Checkliste für jede neue Gesellschaft
Legen Sie fest, welche Angaben vorliegen müssen, bevor die erste Einheit einer neuen Gesellschaft reserviert werden darf: Registernummer, Vollmachten, Bankverbindung, Erlaubnis und Vorlagen.
FAQ: Häufige Fragen
Braucht jede Projektgesellschaft ein eigenes CRM?
Nein. Sinnvoll ist ein gemeinsames System, in dem die Gesellschaft als Pflichtfeld, Filter und Berechtigungsebene geführt wird. Getrennte Systeme erschweren die zentrale Steuerung und führen zu doppelt gepflegten Kontakten und Vertriebspartnern.
Wem gehört ein Interessent, der sich für mehrere Projekte interessiert?
Vor einer Reservierung empfiehlt es sich, den Kontakt zentral zu führen. Mit der Reservierung entsteht die Zuordnung zur Projektgesellschaft, gestützt etwa auf Art. 6 Abs. 1 Satz 1 lit. b DSGVO. Die Einzelheiten klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.
Darf ein Joint-Venture-Partner alle Vertriebsdaten des Bauträgers sehen?
Das Auskunfts- und Einsichtsrecht nach § 51a Abs. 1 GmbHG bezieht sich auf die Angelegenheiten der Gesellschaft, an der der Partner beteiligt ist. Parallelprojekte anderer Gesellschaften gehören nicht dazu. Technisch lösen Sie das über Rollen, die auf eine Gesellschaft beschränkt sind.
Braucht jede Projektgesellschaft eine Erlaubnis nach § 34c GewO?
Die Erlaubnispflicht nach § 34c Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 GewO knüpft an denjenigen an, der gewerbsmäßig als Bauträger tätig wird. Tritt die Projektgesellschaft selbst als Bauträgerin auf, ist die Frage für sie zu prüfen. Klären Sie das vor Vertriebsstart mit der zuständigen Behörde oder Ihrer Rechtsberatung.
Wie werden Provisionen verbucht, wenn eine Vertriebsgesellschaft zwischengeschaltet ist?
Die Projektgesellschaft zahlt an die Vertriebsgesellschaft, diese zahlt die Vertriebspartner aus. In der Auswertung empfiehlt es sich, beide Ebenen getrennt darzustellen, damit Aufwand der Projektgesellschaft und Auszahlung an Partner nachvollziehbar bleiben.
Was ändert sich bei einem Anteilsverkauf für bestehende Kaufverträge?
Die Verträge bleiben bei der Projektgesellschaft, weil diese nach § 13 Abs. 1 GmbHG selbst Trägerin ihrer Rechte und Pflichten ist. Es ändern sich die Gesellschafter und damit die Zugriffsrechte. Ein sauberer Export je Gesellschaft erleichtert die Übergabe.
Fazit
Projektgesellschaften trennen Haftung und Finanzierung, und der Vertrieb muss diese Trennung in seinen Daten nachvollziehen. Entscheidend ist, die Gesellschaft als eigene Ebene über Projekt und Einheit zu führen, Vertragspartner und Zahlungswege daraus abzuleiten und Provisionen dort zu verbuchen, wo der Vertriebsvertrag geschlossen wurde.
Gleichzeitig braucht das operative Team eine gemeinsame Sicht auf alle Vorhaben. Wer Gesellschaft als Filter und Berechtigungsebene nutzt, erhält beides: getrennte Auswertungen für Bank, Mitgesellschafter und Anteilskäufer sowie eine zentrale Steuerung, die Engpässe einzelner Gesellschaften früh sichtbar macht.
Passend zum Thema
- MyInvest Pro: Vertriebssoftware für Bauträger, Immobilienvertriebe und Vertriebspartner: CRM, Projekte, Reservierungen, Provisionen, Reporting.
- Lösung für Bauträger: Überblick, wie MyInvest Pro den Projektvertrieb von Bauträgern abbildet.
- Projekt- und Einheitenverwaltung: Projekte, Bauabschnitte und Einheiten hierarchisch strukturieren und Verfügbarkeiten pflegen.
- Provisionsabrechnung: Provisionen je Vorgang berechnen, aufteilen und für die Buchhaltung exportieren.
- Reporting & Kennzahlen: Auswertungen je Projekt und gesamt erstellen, etwa für Bank- oder Gesellschafterberichte.
- Mehrere Bauträgerprojekte parallel steuern: Vertieft die operative Steuerung paralleler Vorhaben, unabhängig von der Gesellschaftsstruktur.
- Digitale Einheitenverwaltung für Bauträger: Zeigt, wie Verfügbarkeiten und Reservierungen einzelner Einheiten zentral gepflegt werden.
Externe Quellen
- § 34c GewO — Erlaubnispflicht: Wortlaut der Erlaubnispflicht für Vermittler und Bauträger.
- Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV): Primärquelle zu Zahlungsvoraussetzungen und Ratenplan nach § 3 MaBV.
- Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Volltext mit Erwägungsgründen, unter anderem zu Art. 26, Art. 28 und Erwägungsgrund 48.

